52 Spritzen später – (M)ein Jahr mit Mounjaro
Genau heute vor einem Jahr saß ich auf meinem Stuhl und wartete. Ich hatte die Anleitung meines ersten Mounjaro-Pens gefühlt häufiger gelesen als manche Menschen ihre Eheverträge, hatte alles fein säuberlich vorbereitet, mir 2,5 mg Tirzepatid gespritzt und lauschte anschließend sehr konzentriert in mich hinein. Passiert jetzt etwas? Wird mir übel? Wird mir schwindelig? Beginnt irgendwo in meinem Körper eine kleine Kapelle zu spielen?
Nichts.
Ich wartete noch ein bisschen.
Immer noch nichts.
Das war am 22. August 2025. Heute, genau ein Jahr später, kann ich sagen: Es ist dann doch noch etwas passiert. Sogar ziemlich viel.
Kurz vor dem Start meines „Projekts Mounjaro“ stand bei mir ein Gewicht von 158 kg auf der Waage. Heute sind es 104,5 kg. Das sind 53,5 kg weniger. Mein Bauchumfang ist von 147 auf 111 Zentimeter geschrumpft. Meine Kleidergröße hat sich von ungefähr 5-6 XL auf XL bis 2 XL verabschiedet. Mein BMI ist von rund 47 auf 31,2 gefallen. Ich habe also ziemlich genau ein Drittel meines damaligen Körpergewichts verloren.
Ein Drittel! Rein rechnerisch fehlt ungefähr jedes dritte Kilo-Larsi von damals.
Mein tatsächliches Ausgangsgewicht hatte ich bisher nie genannt. Hiermit hole ich das nach: Ja, es waren 158 Kilogramm bei 1,83 Metern Körpergröße. Da muss man nichts hinter „ein paar Kilo zu viel“ verstecken. Es waren sehr viele Kilo zu viel.
Da ich öfter danach gefragt werde, hier ein paar Vorher-Nachher-Fotos:

Die langfristige Gewichtskurve finde ich dabei fast interessanter als ein einzelnes Vorher-Nachher-Bild. Sie zeigt nämlich sehr schön, dass ich nicht ohnehin schon auf dem Weg nach unten war und Mounjaro nur zufällig in eine erfolgreiche Diät hineingeplatzt ist.

Mein Gewicht pendelte über Jahre in einer Größenordnung, die gesundheitlich alles andere als lustig war. Dann kam der August 2025 – und die Kurve machte etwas, das sie vorher ausgesprochen ungern getan hatte: Sie ging ziemlich konsequent nach unten.
Am Anfang sogar in einem Tempo, bei dem ich selbst gelegentlich dachte: Leck o mio, was passiert denn hier?
Eine (mir) wichtige Anmerkung: ich veröffentliche hier sehr persönliche Details und Messwerte. Das tue ich ganz bewusst. Nicht, weil ich damit angeben will (vor August 2025 gab es ja auch wirklich nichts mit dem ich hätte angeben können!), sondern weil es mir wichtig ist, bei der ganzen Sache so offen und transparent wie möglich zu sein. Manche werden das mutig finden, andere komplett bescheuert, wieder andere werden es doch für Angeberei halten und einige haben mich schon gefragt, ob ich Werbung für Mounjaro machen will oder gar Geld dafür bekomme (was natürlich nicht der Fall ist).
Du kannst natürlich davon halten was Du möchtest. Ich weiß, dass mein Erfahrungen (und mein sehr offener Umgang damit) schon ein paar Menschen dabei geholfen haben ihre Entscheidung für oder gegen das Medikament zu treffen. Das ist für mich Grund genug, genau so weiter zu machen. 😘
Im ersten Monat waren acht Kilogramm weg, im zweiten neun. Danach folgten Monate mit 5,5, 5,6, 5,8 und 4,8 Kilogramm Gewichtsverlust. Die Richtung war eindeutig, und aus vorsichtigem Optimismus wurde ziemlich schnell echte Begeisterung.
Ich hatte in meinem ersten Erfahrungsbericht geschrieben, dass der erste Schritt der schwerste sei. Rückblickend stimmt das für mich noch immer. Vor der ersten Spritze hatte ich nämlich vor allem Fragen. Ist das gesund? Vertrage ich das? Kann ich mir das leisten? Funktioniert es bei mir überhaupt? Und wenn es funktioniert: Schaffe ich es dann auch, meine Ernährung tatsächlich zu verändern?
Die Antwort auf die letzte Frage ist wichtig, weil Mounjaro in meiner Geschichte zwar die Hauptrolle spielt, aber eben nicht alleine auf der Bühne steht.
Was mich an dem Medikament am meisten überrascht hat, war nicht der reine Hunger. Körperlich hungrig war ich vor Mounjaro nämlich gar nicht ständig. Mein viel größeres Problem waren Appetit, Heißhunger, Langeweileessen und vor allem die permanente gedankliche Beschäftigung mit Essen.
Heute gibt es dafür den hübschen englischen Begriff „Food Noise“. Gemeint ist etwas ziemlich Reales: Essen ist dauernd im Kopf. Was esse ich später? Habe ich noch Gummibärchen? Wäre jetzt nicht ein Snack schön? Und wenn man gerade gegessen hat, kann man schon über das Nächste nachdenken.
Bei mir wurde es nach dem Start mit Mounjaro plötzlich leiser.
Nicht so, dass Essen bedeutungslos geworden wäre. Ich esse weiterhin gerne. Ich koche gerne. Ich mag gutes Essen und werde ganz sicher nicht anfangen, Selleriestangen als kulinarischen Höhepunkt meines Lebens zu verkaufen. Aber Essen war plötzlich nicht mehr das bestimmende Thema im Kopf.
Das war für mich der eigentliche Gamechanger.
Süßigkeiten verloren einen großen Teil ihrer Anziehungskraft. Fast Food wurde weniger interessant. Riesige Portionen erschienen mir nicht mehr automatisch als erstrebenswertes Qualitätsmerkmal eines Abendessens. Und auch abendliche Snacks konnte ich mir viel leichter verkneifen. Wohlgemerkt: Ich hatte teilweise noch Lust darauf. Mounjaro hat mich nicht in einen asketischen Mönch verwandelt, der beim Anblick einer Tüte Chips nur noch milde lächelt und sich dann einer Tasse lauwarmen Kräutertees zuwendet. Aber die Lust war plötzlich aushaltbar. Sie war ein Gedanke und kein Befehl mehr.
Das Gleiche gilt für das Sättigungsgefühl. Früher war ein noch nicht leerer Teller für mich ein ziemlich überzeugendes Argument weiterzuessen. Heute merke ich deutlich besser, wann es genug ist. Noch wichtiger: Ich richte mir von vornherein kleinere Portionen an. Damit entfällt die große philosophische Frage, ob die letzten vier Kartoffeln auf dem Teller jetzt wirklich zurück in den Topf dürfen oder ob man sie aus Gründen der Ehre noch vernichten muss.
Diese mentale Veränderung war für mich viel wichtiger als der bloße Satz „Ich habe weniger Hunger“. Und sie ist bis heute da. Ob die appetithemmende Wirkung nach einem Jahr genauso stark ist wie am Anfang, kann ich ehrlich gesagt kaum beurteilen. Dazu müsste ich wissen, wie sich mein Hunger heute ohne Tirzepatid anfühlen würde, und diesen Vergleich habe ich nun einmal nicht. Ich nehme das Medikament seit einem Jahr durchgehend. Ich merke aber nicht, dass ich plötzlich wieder wahnsinnig hungrig wäre. Die Gedanken ans Essen sind vielleicht etwas stärker geworden als ganz am Anfang, aber auch das ist schwer in Zahlen zu fassen. Für „Gedanken an Mettbrötchen pro Quadratstunde“ gibt es leider noch keine vernünftige Maßeinheit.
Was sich dagegen sehr gut benennen lässt, ist das, was ich selbst verändert habe.
Die Ernährung
In meiner konsequentesten Phase habe ich meine Ernährung ziemlich genau dokumentiert. Dabei half mir die Weight-Watchers-App, genauer das dortige Programm für Menschen, die GLP-1-Medikamente nutzen. Für mich waren vor allem Kalorien, Protein, Obst, Gemüse und Portionsgrößen interessant; die klassischen WW-Punkte spielten kaum eine Rolle.
Ich habe deutlich häufiger frisch gekocht und Fertiggerichte weitgehend aus meinem Alltag verbannt. Tiefkühlpizza, Dosensuppe, Dosenravioli und ähnliche Vertreter der Kategorie „Deckel auf, Hoffnung zu“ verschwanden fast vollständig. Mein persönlicher Grundbaukasten bestand irgendwann aus Eiern, Kartoffeln, Hühnchenfleisch, Haferflocken, Obst, Gemüse und Magerquark. Damit hatte ich ziemlich schnell ein Gefühl dafür, wie ich über den Tag auf eine vernünftige Bilanz komme.
Mein Ansatz war dabei nie: Ab heute ist alles verboten, was Spaß macht. Grundsätzlich durfte fast alles vorkommen. Ich habe Mengen und Häufigkeiten verändert.
Zwei Dinge hat es allerdings ziemlich hart erwischt.
Nummer eins: Weingummi. Haribo und seine klebrige Verwandtschaft gehörten vorher praktisch zum täglichen Leben. Damit habe ich komplett aufgehört. Erstaunlicherweise ohne großes Drama. Keine nächtlichen Entzugserscheinungen, kein Zittern vor dem Süßwarenregal, keine Selbsthilfegruppe „Anonyme Goldbärenfreunde“. Es ging einfach.
Nummer zwei: Butter. Die hatte ich vorher gerne unter Brotbelag geschmiert. Irgendwann habe ich sie durch Gurkenscheiben mit Kräutersalz ersetzt. Das klingt im ersten Moment wie eine dieser traurigen Ernährungsideen, bei denen man das Gefühl hat, gleich werde einem noch empfohlen, bei Schokoladenhunger an einem Kakaopulverpäckchen zu riechen. Tatsächlich finde ich die Gurkenvariante aber bis heute gut. Sie macht das Brot saftig, spart eine Menge Energie und schmeckt mir.
Und dann wäre da noch das große Thema Sport.
Der Sport
Nein.
Ich habe keinen Sport angefangen. Kein Fitnessstudio, kein Personal Trainer, keine Funktionswäsche und kein morgendliches Joggen mit Stirnlampe, um mein „bestes Ich“ zu finden. Mein bestes Ich schläft um diese Uhrzeit.
Ich hasse Sport noch immer ziemlich zuverlässig. Bewegung ist natürlich gesund, aber für meinen persönlichen Gewichtsverlust spielte ein bewusstes Sportprogramm praktisch keine Rolle.
Meine normalen Spaziergänge mit Struppi habe ich beibehalten. Sie sind heute teilweise etwas länger, aber vor allem deshalb, weil sie mir leichter fallen. Ich gehe also inzwischen mehr, weil ich besser gehen kann – nicht, weil ich plötzlich leidenschaftlicher Hobbysportler geworden wäre. Diese Gefahr scheint weiterhin überschaubar.
Alles rosarot und easy?
Bis hierhin könnte die Geschichte jetzt wunderbar als klassische Erfolgskurve weitergehen: Spritze, gutes Essen, jede Woche ordentlich Minus auf der Waage, Konfektionsgrößen im freien Fall und im Hintergrund spielt triumphale Musik.
Tut sie aber nicht.
Denn irgendwann ging es langsamer.
Das habe ich bereits im Frühjahr 2026 gemerkt. Zunächst war das überhaupt kein Problem. Es wäre ja auch ziemlich vermessen gewesen zu erwarten, dass ich bis zum Lebensende jeden Monat fünf oder neun Kilogramm verliere. Spätestens ab Mai und Juni wurde die Veränderung aber deutlich. Die Kurve flachte ab. In späteren Monaten waren es teilweise nur noch zwei, drei oder sogar anderthalb Kilogramm.

Hier sieht man die Details meines „Ballastabwurfs“. Pinke Kurve: Gewichtsverlauf linke Skala), blaue Balken: Abnahme pro Woche (rechte Skala). Am oberen Rang kann man die jeweilige Mounjaro-Dosis ablesen.
Interessanterweise frustriert mich das nicht wirklich. Ein bisschen mühsam ist es schon, weil inzwischen die Zahl 100 vor meiner Nase herumwedelt wie eine Karotte vor einem Esel. Ich möchte gerne ein UHU werden – unter hundert Kilo. Nicht, weil 99,9 kg plötzlich einen anatomisch völlig anderen Menschen aus mir machen würden als 100,1. Es ist einfach eine psychologische Marke. Zweistellig! Außerdem fällt man bei meiner Körpergröße unterhalb von 100 kg rechnerisch aus der BMI-Kategorie Adipositas heraus und ist dann „nur noch“ übergewichtig. Dieses „nur noch“ hat bei 1,83 Meter und knapp 100 kg schon einen gewissen Unterhaltungswert…
Dass es momentan langsamer geht, hat bei mir aber noch einen anderen Grund: Ich bin lockerer geworden.
Seit einigen Wochen tracke ich meine Ernährung nicht mehr. Keine Kalorien, keine Nährwerte, keine Weight-Watchers-App. Die Portionen sind vermutlich ein bisschen größer geworden. Ich esse auch mal ein Stück Schokolade. Und in diesem geradezu absurden Hitzesommer esse ich eben auch öfter einmal ein Eis, weil ich ein Mensch bin und kein langfristig angelegtes Forschungsprojekt zur Optimierung eines Stoffwechsels.
Ich achte weiterhin auf meine Ernährung. Ich esse weiterhin deutlich anders als früher. Alkohol trinke ich nach wie vor so gut wie garnicht. Ich stopfe auch nicht wieder jeden Abend Haribo in mich hinein. Aber ich bin weniger streng.
Und ich weiß ziemlich genau, dass ich wahrscheinlich wieder schneller abnehmen würde, wenn ich erneut jeden Bissen protokollieren und meine Ernährung so konsequent planen würde wie in den ersten Monaten.
Will ich das gerade?
Nein.
Das ist vielleicht eine der wichtigsten Erkenntnisse nach diesem Jahr. Tracking war für mich ein hervorragendes Werkzeug. Es hat mir geholfen, Mengen, Kalorien und Protein überhaupt erst vernünftig einschätzen zu lernen. Aber jeden Bissen meines Lebens bis ans Ende meiner Tage in eine App einzutippen, halte ich für mich nicht für ein natürliches oder erstrebenswertes Verhalten. Ich bin kein Selbstoptimierungs-Nerd. Ich möchte nicht sterben und auf meinem Grabstein stehen haben: „Er erreichte bis zuletzt zuverlässig sein Proteinziel.“
Ich möchte normal essen können.
Zu diesem „normal“ gehört für mich inzwischen etwas, das früher deutlich weniger selbstverständlich war: Ich esse, wenn ich Hunger habe, und nicht, weil die Uhr mir sagt, dass jetzt eine Mahlzeit fällig ist. Ich frühstücke praktisch nie. Meine erste Mahlzeit kann mittags sein, um drei Uhr nachmittags oder, wenn ich wirklich keinen Hunger habe, auch erst am Abend. Für mich funktioniert das gut. Andere Menschen bekommen bei dieser Vorstellung vermutlich schon beim Lesen Unterzucker, obwohl sie gar keinen haben. Jeder Jeck ist anders.
Mounjaro kann vieles. Die Naturgesetze abschaffen gehört aber nicht dazu. Wenn ich mehr esse, wird meine Energiebilanz weniger negativ. Dann nehme ich langsamer ab. Das ist keine mysteriöse „Wirkungslosigkeit“ des Medikaments, sondern ziemlich logisch.
Diese Gelassenheit hätte ich zu Beginn wahrscheinlich noch nicht gehabt. Damals war jedes Minus spannend und jede Null auf der Waage zumindest einen kurzen skeptischen Blick wert. Heute kann ich mit einer Woche ohne Abnahme gut leben. Wichtig ist mir vor allem, dass ich nicht wieder in die andere Richtung marschiere.
Apropos Probleme: Wenn ich nach einem Jahr gefragt werde, was bei Mounjaro schlecht gelaufen ist, muss ich erstaunlich lange nachdenken.
Ich hatte nämlich praktisch keine Nebenwirkungen.
Mit einer Ausnahme.
Nach mehreren Wochen mit 5 mg bemerkte ich, dass gleichzeitig die Abnahme langsamer wurde und Hunger beziehungsweise Gedanken ans Essen wieder stärker zurückkamen. Ich erhöhte damals von 5 auf 7,5 mg. Und diese zusätzlichen 2,5 mg hatten bei mir plötzlich einen Effekt, den ich ganz sicher nicht bestellt hatte: Übelkeit, Durchfall und diese berüchtigten schwefeligen Aufstoßer. Wer sie nicht kennt, darf dankbar bleiben. Wer sie kennt, weiß, warum „faule Eier im Mund“ keine besonders verlockende Produktbeschreibung ist.
Das Ganze hielt ungefähr drei Tage an und war nicht lebensbedrohlich, aber ausgesprochen unangenehm. Für mich war klar: Das brauche ich nicht.
Ich ging mit der Dosis wieder herunter und tastete mich später in kleineren Schritten weiter nach oben. Für mich hat sich dieses Vorgehen gut bewährt, und seitdem hatte ich keine vergleichbaren Beschwerden mehr. Keine relevante Übelkeit, keine Verstopfung, keine Probleme an der Einstichstelle, nichts.
An dieser Stelle muss ich allerdings etwas klarstellen, was ich in älteren Texten teilweise zu pauschal formuliert habe. Die offizielle europäische Dosierungsinformation schreibt nach der Einstiegsphase nicht vor, automatisch alle vier Wochen immer weiter zu erhöhen. Vorgesehen ist der Start mit 2,5 mg einmal wöchentlich, nach vier Wochen die Erhöhung auf 5 mg und danach – wenn erforderlich – weitere Erhöhungen um 2,5 mg, jeweils frühestens nach mindestens vier Wochen auf der aktuellen Dosis.
15 mg sind die zugelassene Höchstdosis.
Meine kleineren Zwischenschritte entsprechen also nicht diesem zugelassenen Dosierschema. Das ist meine persönliche Vorgehensweise, die ich hier beschreibe. Gleiches gilt für meine Art, Pens aufzuteilen beziehungsweise Restmengen zu nutzen. Darüber habe ich in älteren Beiträgen ausführlich geschrieben.
Mein persönlicher Grundsatz nach diesem Jahr lautet trotzdem: Ich erhöhe nicht, weil ein Kalenderblatt umgeblättert wurde. Ich habe immer dann über eine Erhöhung nachgedacht, wenn zwei Dinge zusammenkamen: mehr Hunger beziehungsweise wieder deutlich mehr Gedanken ans Essen und gleichzeitig eine stockende Abnahme. Interessanterweise lagen zwischen einigen meiner Erhöhungen ungefähr neun Wochen. Das war aber kein geheimer Neun-Wochen-Plan, sondern Zufall.
Heute liege ich bei 11,25 mg. Damit bin ich nach einem ganzen Jahr noch unter der zugelassenen Maximaldosis von 15 mg. Das war mir tatsächlich wichtig. Einerseits aus Kostengründen, andererseits mag ich das Gefühl, noch Luft nach oben zu haben, falls die Wirkung irgendwann wirklich deutlich nachlassen sollte.
Apropos:
Die Kosten
Jetzt wird es schmerzhaft. Nicht körperlich – finanziell.
Ich habe bisher acht Pens gekauft. Zusammen haben sie mich 2.741,21 Euro gekostet. Komplett aus eigener Tasche. Meine Krankenkasse beteiligt sich an Mounjaro zur Gewichtsregulierung mit exakt null Euro und null Cent.
Das ärgert mich weiterhin gewaltig. Tirzepatid zur Gewichtsregulierung ist in Deutschland vom gesetzlichen GKV-Verordnungsausschluss erfasst und als sogenanntes Lifestyle-Arzneimittel gelistet. Genau diese Regelung halte ich für schwer nachvollziehbar. Adipositas ist eine chronische Erkrankung, aber ein Medikament zur Gewichtsregulierung landet in einer Kategorie, deren Name klingt, als hätte ich mir ein neues Parfüm oder eine Wellnessbehandlung gegönnt.
Dazu habe ich auch schon einen eigenen Artikel geschrieben. Den findest Du hier.
Ich kaufe meine Pens ausschließlich in Luxemburg, weil sie dort günstiger sind. Wie groß die Preisunterschiede im Einzelnen sind und wie ich meine Kosten reduziere, habe ich bereits ausführlich aufgeschrieben. siehe hier
Zu den 2.741,21 Euro für das Medikament kamen ungefähr 10 Euro monatlich für Weight Watchers, rund 40 Euro für einen größeren Vorrat an Spritzen und Kanülen sowie etwa 10 Euro für Hautdesinfektionsmittel. Meine Lebensmittelkosten haben sich dagegen unterm Strich kaum verändert. Ich esse weniger, kaufe aber häufiger frisch und teilweise proteinreicher. Das gleicht sich bei mir ungefähr aus.
Richtig teuer wurde allerdings noch eine andere Sache: Kleidung.
Mein Kleiderschrank musste praktisch komplett ausgetauscht werden. Und mit komplett meine ich komplett. T-Shirts, Unterhosen, Hosen, Hemden, Pullis, Jacken – alles weg beziehungsweise aussortiert, weil es schlicht nicht mehr passte.
Die Strümpfe durften bleiben. Immerhin etwas Kontinuität.
Für neue Kleidung habe ich inzwischen deutlich über 1.000 Euro ausgegeben. Das Geld habe ich ausgesprochen gerne ausgegeben, denn der eigentliche Luxus ist nicht die kleinere Größenangabe. Der Luxus ist Auswahl.
Mit 158 kg war ich irgendwann an einem Punkt, an dem ich nicht mehr unbedingt die Kleidung kaufen konnte, die ich gerne tragen wollte. Ich musste nehmen, was es in meiner Größe überhaupt noch gab. Selbst bei Firmen wie Strauss, wo ich viele Freizeit- und Arbeitssachen kaufe, war irgendwann die obere Grenze erreicht.
Heute kann ich wieder ganz normale Sachen bestellen. Zimmermannshosen, T-Shirts, Jacken – was mir gefällt. Und ich muss dabei nicht einmal immer die größte verfügbare Größe anklicken.
Das klingt banal. Ist es aber nicht.
Kleidung ist etwas, das wir jeden Tag am Körper haben. Wenn aus „Was gefällt mir?“ über Jahre „Was passt mir überhaupt?“ wird, merkt man erst beim Zurückwechseln, wie einschränkend das war.
Manchmal falte ich heute ein T-Shirt zusammen, schaue mir dieses vergleichsweise kleine Stück Stoff an und muss grinsen. Mein Kopf ist offenbar noch nicht vollständig davon überzeugt, dass ich da hineinpasse. Tue ich aber.
Überhaupt ist mein Kopf ein interessantes Kapitel.
Die Psyche
Ich fühle mich natürlich deutlich leichter als früher. Aber ich stehe nicht morgens vor dem Spiegel und denke: Wer ist denn dieser vollkommen neue Mann und was hat er mit dem Dicken gemacht?
Ich bin immer noch ich. Mit denselben Interessen, denselben Ansichten, denselben Macken und vermutlich auch mit derselben Fähigkeit, mich über Kleinigkeiten unverhältnismäßig lange aufzuregen.
Trotzdem ist meine Selbstwahrnehmung merkwürdig verschoben. Einerseits kommt der Kopf der Veränderung nicht immer hinterher. Andererseits führen die Reaktionen anderer Menschen inzwischen teilweise dazu, dass ich mich fast dünner wahrnehme, als ich objektiv bin.
Die ersten Menschen, die nichts von meinem Abnehmprojekt wussten, sprachen mich ungefähr um Weihnachten herum an. Heute passiert das ständig. Das liegt auch an meinem Beruf: Viele Kunden oder Ansprechpartner sehe ich nur einmal im Jahr. Für diese Menschen gab es keine schleichende Veränderung. Die haben mich vor zwölf Monaten mit sehr viel mehr Gewicht gesehen und sehen mich jetzt wieder.
Entsprechend fallen die Reaktionen aus.
„Meine Güte, wie viel hast Du denn abgenommen?“
„Wie hast Du das gemacht?“
Und inzwischen erstaunlich häufig direkt:
„Hast Du diese Abnehmspritze genommen?“
Bei älteren Menschen kommt manchmal eine ganz andere Reaktion. Da lautet die erste Frage eher: „Geht es Ihnen gut?“ oder sogar: „Ist das Absicht oder sind Sie krank?“
Ich habe darüber schon einmal ausführlich geschrieben. Inzwischen verstehe ich die Reaktion besser: Wer Gewichtsverlust vor allem als mögliches Krankheitszeichen abgespeichert hat, denkt bei 50 Kilo weniger zunächst an etwas Bedrohliches. Das lässt sich zum Glück schnell aufklären.
Und dann gibt es noch diesen Satz:
„Du darfst jetzt aber wirklich nicht noch mehr abnehmen!“
Den höre ich regelmäßig. Er nervt mich überhaupt nicht. Im Gegenteil, ein bisschen freue ich mich sogar darüber. Gleichzeitig weiß ich, was dahintersteckt: Diese Menschen vergleichen mich mit dem Lars von früher. Neben 158 kg wirken 104,5 natürlich geradezu filigran.
Objektiv bin ich das nicht.
Mit einem BMI von 31,2 liege ich weiterhin in der Kategorie Adipositas Grad I. Der BMI ist ein grobes Maß und sicher kein göttliches Urteil über den Zustand eines individuellen Körpers, aber in meinem Fall braucht man auch keine komplizierte Körperfettanalyse, um festzustellen: Ein schlanker Mann bin ich weiterhin nicht.
Das ist auch völlig okay.
Ich gebe mich nicht der Illusion hin, dass aus mir noch ein drahtiger 75-Kilo-Typ wird, der in Slim-Fit-Hemden durch die Gegend schwebt. Mein nächstes Ziel ist erst einmal UHU. Und danach sehe ich weiter.
Interessant ist auch die Reaktion, wenn ich offen erzähle, wie ich abgenommen habe.
„Wow, wie hast Du das geschafft?“
„Ernährung umgestellt und Mounjaro genommen.“
„Ach so.“
Dieses „Ach so“ klingt manchmal ein bisschen nach: Mit Spritze, na dann zählt es ja nur halb. Damit kann ich inzwischen gut leben.
Denn natürlich war Mounjaro entscheidend. Ich sage sogar ganz klar: Ohne dieses Medikament hätte ich diese 53,5 kg sehr wahrscheinlich nicht verloren. Aber der Pen hat nie für mich eingekauft. Er hat kein Hühnchen gebraten, keine Haferflocken abgewogen, kein Haribo aus meinem Schrank entfernt und keine Portion auf meinem Teller kleiner gemacht.
Mounjaro war für mich kein Zauberstab. Es war das Hilfsmittel, das die Sache überhaupt erst machbar gemacht hat.
Vielleicht ist das der größte Unterschied zu meinen früheren Abnehmversuchen: Ich musste weiterhin Entscheidungen treffen, aber die Entscheidungen fühlten sich nicht mehr an wie ein täglicher Ringkampf gegen den eigenen Kopf.
Wenn mich Menschen heute nach Mounjaro fragen, gehe ich deshalb sehr offen damit um. Mittlerweile erzähle ich auch mein Ausgangsgewicht. Ich schildere, was bei mir gut funktioniert hat, welche Nebenwirkungen ich hatte und welche nicht. Ich habe inzwischen mit etlichen Menschen Gespräche geführt, die fast schon kleine Beratungstermine waren. Allerdings immer nur, wenn ich gefragt werde. Ungefragte Ernährungs- und Gesundheitsratschläge finde ich ungefähr so sympathisch wie Menschen, die einem nach dem ersten Husten ihre komplette Nahrungsergänzungsmittelsammlung erklären.
Was sich neben der Zahl auf der Waage am stärksten verändert hat, merke ich im Alltag.
Die Veränderungen
Treppen sind heute einfach Treppen.
Das klingt nicht besonders spektakulär. Für mich ist es das aber.
Früher habe ich bei längeren Wegen sehr genau überlegt, ob sie nötig sind. Auf der Arbeit bin ich häufig bei Kunden unterwegs, in größeren Gebäuden, auf weitläufigen Geländen oder an Flughäfen. Wenn dabei längere Strecken und Treppen zusammenkamen, war das mit knapp 160 kg nicht nur anstrengend. Ich war teilweise außer Atem und verschwitzt. Während des Gehens entspannt mit meinem Ansprechpartner zu reden, war irgendwann gar nicht mehr so entspannt.
Heute gehe ich diese Strecken einfach.
Ich kann Treppen steigen und dabei weiterreden. Ich komme nicht völlig durchgeschwitzt an. Ich brauche nicht ständig ein Taschentuch, um mir den Schweiß aus dem Gesicht zu wischen. Schuhe anziehen ist leichter. Gartenarbeit ist leichter. Aus einem niedrigen Sessel aufstehen ist leichter. Spaziergänge mit Struppi sind leichter und dürfen deshalb inzwischen auch etwas länger sein.
Ich habe nicht das Gefühl, plötzlich übermenschlich fit zu sein. Ich bin nur nicht mehr bei ganz normalen Tätigkeiten mit einem Körpergewicht unterwegs, das ungefähr einem zusätzlichen ausgewachsenen Menschen entspricht.
Besonders deutlich merke ich das diesen Sommer bei der Hitze.
Ich war schon immer hitzeempfindlich. Mit knapp 160 kg war warmes Wetter aber teilweise eine echte Belastung. Jetzt schwitze ich wesentlich weniger und komme mit hohen Temperaturen deutlich besser klar. Bei manchen Tagen dieses irren Sommers habe ich wirklich gedacht: Wie zur Hölle hätte ich das vor einem Jahr ausgehalten?
Will ich gar nicht wissen.
Wenn ich die drei größten persönlichen Gewinne dieses Jahres nennen müsste, wären es deshalb wahrscheinlich genau diese: Ich vertrage Hitze besser. Ich kann wieder die Kleidung tragen, die ich möchte. Und körperliche Dinge fallen mir insgesamt deutlich leichter.
Das sind keine spektakulären Laborwerte, aber Veränderungen, die ich jeden Tag merke.
Gesundheitlich gibt es ebenfalls Positives, wobei ich bewusst nicht mehr behaupte, als tatsächlich untersucht wurde.
Mein Blutdruck ist deutlich gesunken und liegt aktuell mit meiner bisherigen Kombination aus drei Blutdruckmedikamenten im optimalen Bereich. Mein Arzt sieht deshalb im Moment keinen Grund, an einer gut funktionierenden Einstellung herumzubasteln. Sollte der Blutdruck weiter sinken, kann irgendwann eine Anpassung nötig werden. Gelegentlich wird mir beim schnellen Aufstehen aus gebückter Haltung kurz schwindelig. Das kann zu einem niedrigen Blutdruck passen, ist aber nichts, weswegen ich selbst an meiner Medikation herumschraube.
Meine Belastungsatemnot ist dagegen praktisch verschwunden.
Andere Dinge muss ich noch überprüfen lassen. Ich möchte wissen, wie sich meine Blutwerte entwickelt haben und ob sich meine Fettleber verbessert hat. Dafür steht noch eine Ultraschalluntersuchung aus.
Bei meiner Schlafapnoe habe ich ebenfalls keine neuen objektiven Ergebnisse. Ich benutze mein CPAP-Gerät weiterhin. Mein Schlaf fühlt sich durch den Gewichtsverlust nicht anders an als vorher, und tagsüber bin ich auch nicht plötzlich ein vor Energie platzender Flummi.
Ich finde das erwähnenswert, weil ein großer Gewichtsverlust nicht automatisch jede Baustelle verschwinden lässt. Es wäre schön, wenn das Leben so funktionieren würde: 50 kg weg, einmal System neu starten, alle Warnlampen aus. Tut es nicht. Manche Dinge werden besser, andere müssen weiter behandelt oder wenigstens vernünftig kontrolliert werden.
Eine kleine sichtbare Erinnerung an die Abnahme gibt es natürlich auch: überschüssige Haut. Wer über 50 kg verliert, darf nicht ernsthaft erwarten, dass der Körper anschließend aussieht, als hätte jemand ihn in der Werkseinstellung bestellt. Bei mir ist das aber kein großes Problem. Es stört mich nicht besonders.
Auch meine Proportionen haben sich verändert. Meine Schultern wirken schmaler, mein Gesicht natürlich ebenfalls. Mir wurde sogar gesagt, ich sähe jetzt eher aus wie ein Junge als wie ein Mann. Mit über 50 noch einmal in den Stand „Junge“ befördert zu werden, muss man auch erstmal schaffen. Ich nehme es als Kompliment.
Mein Selbstbewusstsein war vorher nicht kaputt. Ich wusste auch mit 158 kg, wer ich bin und was ich kann. Aber so eine Veränderung gibt natürlich noch einmal einen kleinen Schub. Fotos gefallen mir heute besser, Kleidung macht mehr Spaß, und die erstaunten Reaktionen von Menschen, die mich ein Jahr nicht gesehen haben, hinterlassen selbstverständlich etwas.
Albern wäre es aber, die Sorge vor einer Wiederzunahme wegzulächeln.
Wie geht es weiter?
Ich habe in diesem Jahr viel erreicht. Der Gedanke, irgendwann einen großen Teil des Erfolges wieder zu verlieren, gefällt mir ungefähr so gut wie die Vorstellung, meinen kompletten Kleiderschrank ein zweites Mal auszutauschen – diesmal zurück in die andere Richtung.
Mein Plan für die Zeit nach dem Abnehmen ist deshalb erstaunlich unspektakulär: weiter einmal pro Woche wiegen, weiter meinen Bauchumfang dokumentieren und hinschauen.
Das mache ich ohnehin seit Jahren. Samstag bleibt mein Tag für Zahlen und Spritze. Schwankungen von ein, zwei oder auch drei Kilo würden mich nicht nervös machen. Körpergewicht ist kein Börsenkurs, auch wenn meine Tabelle manchmal so aussieht. Wenn ich aber merken würde, dass sich drei Kilo nach oben nicht wieder verabschieden, sondern Freunde mitbringen, würde ich gegensteuern.
Was ich nicht wieder anfangen möchte, ist dauerhaftes lückenloses Tracking.
Ich möchte die Gewohnheiten behalten, nicht die Buchhaltung.
Wie es mit Mounjaro weitergeht, weiß ich heute noch nicht. Wenn ich unter 100 kg komme und sich mein Gewicht irgendwann einpendelt, werde ich wahrscheinlich ausprobieren, ob ich mit einer niedrigeren Dosis zurechtkomme. Wie weit ich heruntergehen kann, ohne dass Hunger und die ständige Beschäftigung mit Essen wieder deutlich zunehmen, muss sich zeigen.
Ob ich Tirzepatid irgendwann komplett absetze?
Keine Ahnung.
Und damit habe ich erstaunlich wenig Probleme.
Für manche Menschen scheint allein die Vorstellung, ein Medikament womöglich langfristig oder sogar dauerhaft zu benötigen, etwas Abschreckendes zu haben. Ich sehe das pragmatischer. Wenn ich ein Medikament brauche, um eine chronische Erkrankung vernünftig zu behandeln und meine Lebensqualität zu verbessern, dann brauche ich es eben. Ich würde ja auch nicht stolz meine Blutdrucktabletten wegwerfen, nur um beweisen zu können, dass ich ohne Medikamente lebe.
Allerdings wäre es unehrlich, die Sorge vor Gewichtszunahme nach dem Absetzen einfach mit „Ich habe ja jetzt bessere Gewohnheiten“ vom Tisch zu wischen.
Ich habe selbst manchmal den Gedanken, dass vor allem diejenigen stark wieder zunehmen, die während der Behandlung kaum etwas an ihrem Verhalten verändert haben. Die wissenschaftlichen Daten sind leider weniger bequem. In der SURMOUNT-4-Studie nahmen Teilnehmer nach dem Absetzen von Tirzepatid im folgenden Jahr im Durchschnitt deutlich wieder zu – obwohl die Lebensstilintervention weiterlief. Wer Tirzepatid weiterbekam, nahm im Mittel noch weiter ab.
Das heißt nicht, dass meine veränderten Gewohnheiten wertlos wären. Ganz im Gegenteil. Ich halte sie für enorm wichtig. Aber ich sollte mir nicht einreden, Biologie ließe sich mit guter Absicht vollständig überlisten. Adipositas gilt nicht ohne Grund als chronische, zu Rückfällen neigende Erkrankung.
Also werde ich schauen, ausprobieren, messen und vernünftig reagieren. Ohne Panik. Aber auch ohne den Größenwahn zu entwickeln, nach einem erfolgreichen Jahr sei das Thema für immer erledigt.
Und dann ist da natürlich noch die Frage, die gerne gestellt wird:
War das Geld es wert?
Allein für Mounjaro habe ich bislang 2.741,21 Euro ausgegeben.
Geteilt durch 53,5 verlorene Kilogramm ergibt das 51,24 Euro pro Kilo.
Das ist eine vollkommen unsinnige Kennzahl. Ich liebe sie.
Jemand hat mich tatsächlich schon gefragt, ob ich lieber das ganze Geld zurückhätte und dafür wieder mein altes Gewicht.
Ähm.
Nein.
Nicht für eine Sekunde.
Die 2.741,21 Euro sind für mich gut angelegtes Geld. Eine Investition in meine Gesundheit und mein Wohlbefinden. Ja, das klingt wie ein Werbespruch für eine private Zusatzversicherung. Ist aber trotzdem wahr.
Ich würde heute ohne zu zögern wieder anfangen.
Wenn ich dem Lars vom 22. August 2025 etwas sagen könnte, während er mit seinem ersten Pen dasitzt und darauf wartet, ob ihm jetzt vielleicht spontan übel wird, würde ich ihm wahrscheinlich sagen:
Mach Dir nicht so einen Kopf.
Hab keine Angst vor dem Medikament.
Freu Dich darauf, was möglich ist.
Und vor allem: Mach hinne. Fang an. Leg los.
Der erste Schritt ist tatsächlich der schwierigste.
Was danach kommt, ist nicht immer einfach. Die Waage steht auch mal, es kostet Geld, und die eigenen Entscheidungen bleiben wichtig. Aber für mich hat es sich gelohnt.
Mein Ziel ist jetzt erst einmal diese verdammte Zweistelligkeit. 99 Komma irgendwas. UHU.
Und danach?
Keine Ahnung.
Vielleicht nehme ich noch ein paar Kilogramm ab, vielleicht pendelt sich mein Gewicht irgendwo ein. Ich habe kein magisches Zielgewicht. Ich werde schauen, wie ich mich fühle, wie meine gesundheitlichen Werte aussehen und was langfristig vernünftig funktioniert.
Aus mir muss kein schlanker Mensch werden.
Ich möchte ein gesünderer Mensch sein, der sich besser bewegen kann, weniger schwitzt, die Klamotten anziehen kann, die ihm gefallen, und nicht mehr den ganzen Tag mit einem virtuellen Imbisswagen im Kopf herumläuft.
Da bin ich heute sehr viel näher dran als vor einem Jahr.
Wenn mich heute jemand fragt, ob er es selbst versuchen soll, erzähle ich genau das. Ich erzähle von meinen sehr guten Erfahrungen, aber auch davon, dass andere Menschen Nebenwirkungen haben oder das Medikament nicht vertragen können. Ich bin kein Arzt und kann niemandem versprechen, dass es bei ihm genauso läuft wie bei mir. Wer über Tirzepatid nachdenkt, sollte das medizinisch vernünftig abklären und sich begleiten lassen.
Aber ich würde niemandem raten, aus Angst, falschem Stolz oder dem Gedanken „Das muss doch auch ohne gehen“ jahrelang mit schwerem Übergewicht und seinen möglichen Folgeerkrankungen einfach weiterzumachen, ohne sich wenigstens über die Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.
Hilfe anzunehmen ist kein Betrug.
Für mich war es eine der besten Entscheidung in meinem Leben.
Und jetzt entschuldigt mich. Irgendwo da draußen wartet eine Zahl unter 100 auf mich. Ich werde ihr gemächlich entgegengehen. Ohne Joggen. Man muss es ja nicht übertreiben.
Cheers!

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