Meine Erfahrungen mit Instagram

23.März 2026 | Aus dem Leben, Technik | 2 Kommentare

Meine Erfahrungen mit Instagram und warum ich dort am Ende doch wieder ausgestiegen bin

Ja, ich bin ein älterer Herr. Ja, ich gehöre aus verschiedenen Gründen ziemlich sicher nicht zur Kernzielgruppe von Instagram. Und ja: Ich komme mit dem ganzen Laden nur sehr begrenzt klar.

Trotzdem will man ja nicht komplett den Anschluss verlieren. Also habe ich mich in den letzten Wochen intensiver mit Instagram beschäftigt. Gefühlt ist dort heute schließlich jede und jeder unterwegs. Einen Account hatte ich schon seit Jahren – angelegt, nie benutzt, irgendwo zwischen „macht man halt“ und „kann ja nicht so schwer sein“. Also dachte ich mir: Komm, jetzt gibst du der Sache mal eine faire Chance.

Auf die Idee kam ich, als ich meinen Blog gebaut und in die Fußzeile Links zu meinen Social-Media-Kanälen gesetzt habe. Facebook, Xing und – Moment mal – Insta habe ich doch auch noch. Also habe ich den Link dorthin ebenfalls eingebaut. Das erschien mir in dem Moment logisch. Im Nachhinein betrachtet war das ungefähr so, als würde man im Keller eine alte Tür öffnen, obwohl dahinter seit Jahren niemand mehr nachgesehen hat.

 

Wie ich überhaupt wieder dort gelandet bin

Den ersten Aha-Moment hatte ich, als eine Freundin ganz beiläufig zu mir sagte, sie finde es spannend, dass ich jetzt auch auf Instagram aktiv sei. Ich wiederum fand spannend, dass sie das dachte. Denn ich war es, nach meinem eigenen Kenntnisstand, nun wirklich nicht.

Das Rätsel war allerdings schnell gelöst: Instagram gehört wie Facebook und WhatsApp zu Meta, also zu jenem Konzern, der es beeindruckend gut beherrscht, Dinge miteinander zu verknüpfen, ohne dass man es im Alltag noch sauber auseinanderhalten kann. Offenbar waren meine Einstellungen irgendwann so gesetzt worden, dass Inhalte aus Facebook und WhatsApp automatisch auch bei Instagram landeten. Ich hatte davon nichts mitbekommen. Ich wurde auch nicht bewusst gefragt – oder vielleicht doch, irgendwo zwischen 47 Seiten Nutzungsbedingungen, drei Häkchen und einem Button mit der Aufschrift „Akzeptieren“. Wer weiß das schon.

Jedenfalls habe ich meinen Account daraufhin geöffnet und nicht schlecht gestaunt, was dort alles von mir herumlag. Dazu kamen mehrere ungelesene Nachrichten, teils uralt. Ein ehemaliger Klassenkamerad war schon leicht verschnupft, weil ich ihm nie geantwortet hatte. Verständlich. Er konnte ja nicht wissen, dass ich auf einer Plattform ständig Dinge veröffentliche, die ich selbst gar nicht sehe. Willkommen in der schönen neuen Welt.

 

Orientierungslos mit Herzchen

Dieses „Veröffentlichen ohne mein Wissen“ fand ich schon mal ausgesprochen unerquicklich. Aber gut: Wenn ich der Sache nun ohnehin eine Chance geben wollte, dann bitte richtig. Also habe ich mich auf Instagram umgesehen – und exakt nichts verstanden.

Ich habe versehentlich Herzchen verteilt, wurde mit Werbung beschossen und begriff nicht einmal die Grundarchitektur des Ganzen. Was genau ist eine Story? Worin unterscheidet sie sich von einem Reel? Und warum klingt Reel (übersetzt: Spule, Rolle oder Haspel) wie etwas aus dem Werkzeugschrank oder aus der Anglerkiste? Um das herauszufinden, habe ich recherchiert, Videos auf YouTube geschaut und mich durch Anleitungen gearbeitet.

Rückblickend hätte mir da schon ein Licht aufgehen müssen. Denn fast alles, was man zu Instagram findet, dreht sich nicht darum, wie man dort nett mit Freunden kommuniziert, sondern wie man Reichweite erzeugt, Sichtbarkeit optimiert, Engagement steigert und am besten gleich die Weltherrschaft an sich reißt. Ich hingegen wollte einfach nur gelegentlich ein Foto posten und auf neue Blogartikel hinweisen. Ein naiver Plan, wie ich inzwischen weiß.

 

Die eigentliche Erkenntnis

Nach einigen Nachhilfestunden bei meiner Freundin Jule und diversen Recherchen fiel dann endlich der Groschen. Instagram ist in erster Linie keine Plattform für zwanglosen Austausch. Instagram ist eine Werbeplattform. Punkt.

Firmen bewerben dort ihre Produkte, Dienstleister ihre Angebote und Influencer vor allem sich selbst – mit dem Ziel, möglichst viele Klicks, Aufrufe und Interaktionen zu erzeugen. Denn Reichweite ist dort keine nette Begleiterscheinung, sondern die eigentliche Währung. Und alles ist so gebaut, dass man genau davon möglichst viel produziert.

Dazwischen tummeln sich Menschen wie ich, die glauben, sie würden einfach ein paar Bilder von Blumen, Hunden, Essen oder dem letzten Ausflug posten. Tatsächlich liefern sie damit aber vor allem Rohstoff für das System: Aufmerksamkeit. Selbst wenn jemand ein Video nur für den Bruchteil einer Sekunde antippt, zählt das schon. Wer also Reichweite schenken will, muss nur wild genug durchs Display tippen. Leute meiner Generation kennen dieses Bewegungsmuster noch von hektischen C64-Momenten – nur dass es damals wenigstens ehrlicher war.

Dazu kommt: Die App ist, jedenfalls aus meiner Sicht, absichtlich so gestaltet, dass vertraute Gesten plötzlich etwas völlig anderes auslösen. In fast jeder Anwendung bedeutet ein Doppelklick auf ein Bild: größer ansehen. Bei Instagram bedeutet er gern mal: Herzchen. Zack, schon hat man etwas geliked, das man vielleicht gar nicht liken wollte. Vielleicht fällt so etwas denen nicht auf, die mit dem System aufgewachsen sind. Mir schon. Und ich finde es scheiße.

 

Mein Fazit

Ich will dort nichts verkaufen. Ich will keine Reichweite optimieren. Ich will mich nicht mit Algorithmen anfreunden, die mir erklären, wie ich mich verhalten soll, damit meine Inhalte „performen“. Ich will einfach schreiben, fotografieren und gelegentlich etwas Interessantes teilen. Und genau dafür ist Instagram – nach meinem Eindruck – der falsche Ort.

Deshalb habe ich meinen Account wieder gelöscht. Nicht aus Wut, nicht aus einer heldenhaften digitalen Widerstandsromantik, sondern schlicht, weil das Ganze nichts für mich ist.

Eine Klarstellung zum Schluss ist mir aber wichtig: Natürlich nutzen viele Menschen Instagram beruflich, und für manche ist das eine sinnvolle oder sogar notwendige Werbemöglichkeit. Daran ist überhaupt nichts verwerflich. Ich persönlich möchte nur nicht Teil dieses Spiels sein.

Und nein, ich halte auch nicht alle Nutzerinnen und Nutzer dort für Idioten. Aber ich halte die Plattform für ein System, das seine Nutzer sehr gezielt in eine bestimmte Richtung schubst – und genau das ist der Punkt, der mich daran so stört. Mein Blog bleibt daher, mit etwas Glück, weiterhin ein kleines Reservat für Menschen, die auch Texte lesen, die länger sind als eine Bildunterschrift.

 

Cheers!

2 Kommentare

  1. Jule

    Sooo schnell hatte ich jetzt nicht mit dem Artikel gerechnet 😉
    Haken dran!

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