Review zum Lego Set 42177
Im Herbst 2025 habe ich mir seit langem mal wieder einen Lego Technik Bausatzgekauft. Das hatte verschiedene Gründe: Es handelte sich um eines meiner Traumautos, die Jahreszeit mir langen gemütlichen Abenden stand vor der Tür und der Preis war (für eine Modell von Lego) ok.
Bestellt habe ich bei Amazon. Die Verpackung war schon ein bisschen irre, für den Wiederverkauf allerdings perfekt. Der eigentliche Produktkarton steckte in einem exakt passenden Umkarton (auch von Lego). Dieser wiederum in einem viel zu großen Amazon-Karton, vollgestopft mit Packpapier.
Im eigentlichen, hübsch bedruckten Produktkarton findet sich dann eine Unmenge von nummerierten Tütchen (teils aus Kunststoff, teils aus Papier – es wird wohl gerade auf Papier umgestellt, wie man hört). Alle feinsäuberlich nummeriert. Zudem zwei dicke Bauanleitungen.
„Du lieber Himmel“, denke ich. Es scheint ja ein echt kompliziertes Projekt zu sein. Zudem gibt es wohl auch die Möglichkeit die Bauanleitung auf dem Tablett anzusehen, aber diese Möglichkeit nutzte ich nicht.
Daten und Maße
Set: 42177
Anzahl der Teile: 2891
Altersempfehlung: 18+ (?!?!)
Maße: 43 x 24 cm (L x H)
Preis: UVP 249,99 € (die bezahlt aber niemand. Beim großen ‚A‘ zum damaligen Zeitpunkt 179,- €)
Aufbauerfahrung
Der Aufbau gestaltet sich extrem einfach. So einfach, dass es schon ein bisschen enttäuschend ist bzw. nervt. Damit meine ich, dass die Bauanleitung derart kleinteilig ist, dass es quasi für jedes einzelne Steinchen das hinzugefügt wird, eine gesonderte Abbildung gibt (das erklärt auch die 2 dicken Bücher). Denken oder tüfteln muss man da absolut nicht.
Jedes der nummerierten Tütchen enthält eine überschaubare Anzahl an Teilen. Diese werden verbaut, dann öffnet man das nächste Tütchen usw. Ich würde das System als idiotensicher bezeichnen.
Kernstück des ganzen Models ist das recht komplizierte Getriebe incl. Antriebsstrang mit verschiedenen Gängen und sperrbaren Differentialen.
Ist das gebaut, folgt die „Hülle“, also die Karosserie des Autos. Das hat dann weniger mit Technik, als mit Design zu tun, nimmt aber einen sehr großen Teil der Bauzeit in Anspruch. Über die Bauzeit kann ich übrigens keine Angaben machen, da ich bei sowas zum einen nie auf die Uhr gucke und zum anderen nicht den Anspruch habe, das Modell möglichst schnell und/oder effizient zu bauen.
Mit geht es bei dem Bau eines solchen Modells hauptsächlich um den Spaß beim Bauen. Sonst nichts.
Qualität
Wie ich es von Lego gewohnt bin, ist die Qualität der Steine gut. Natürlich gibt es Experten die in den letzten Jahren die Farbtreue bemängeln, ebenso, dass (gerade bei Displaymodellen) viel zu viele bunte Steine verwendet werden, dass man bei einzelnen Teilen die Gusspunkte zu sehr sehen kann und, dass kaum (bei diesem Modell genau Null) bedruckte Steine verbaut werden, sondern alles über Aufkleber gelöst wird.
Diesem sehr hohen Niveau der Kritik will ich mich nicht anschließen, weil es mir ehrlich gesagt ziemlich egal ist. An den Kritikpunkten ist aber sicher etwas dran. Außerdem kann man auf dem Standpunkt stehen, dass man für die Preise die Lego mittlerweile aufruft, absolute Topqualität erwarten kann. Das sehe ich zwar auch so, aber ich wende mich dann eher anderen Herstellern zu, als mich an Lego abzuarbeiten.
Funktionen
Tja, da wird’s dann schwierig. Kennt man noch die Modelle von vor 10 Jahren und früher, wird man wahrscheinlich enttäuscht sein. Den ganz nüchtern betrachtet, hat dieses Modell keine Funktionen.
Klar kann man lenken (Hand-of-God-Steuerung ist vorhanden und das Lenkrad dreht sich dann auch mit). Klar bewegen sich, wenn man das Modell „fährt“ auch die Kolben des 6-Zylinder-Reihenmotors mit usw. Aber ganz ehrlich: was denn auch sonst?
Aber was ist mit den eingangs erwähntet verschiedenen Gängen und den sperrbaren Differentialen? Ja, kann man alles machen, aber man merkt halt nichts davon, da das Modell keinen Antrieb hat. Man kann es zwar umdrehen und dann an den Rädern drehen und (mehr oder minder gut) beobachten, was sich dabei im Getriebe etc. tut, aber das wars dann auch schon.
Lego hebt dann Dinge hervor wie: „Alle Türen lassen sich öffnen, ebenso die Motorhaube!“. Joa… das kann mich jetzt nicht wirklich begeistern. Auch nicht, dass das Autochen gefedert ist.
Weitere Details sind mir nicht auf- oder eingefallen.
Fazit
Wer ein original Lego-Modell (mit Lizenz) zu einem noch erschwinglichen Preis sucht, ist hier gut bedient. Das Modell ist nett anzusehen, es macht Spaß beim Zusammenbau, hat eine recht beachtliche Größe und macht sich wahrscheinlich ganz gut im Regal (wenn man den Platz dafür hat).
Wer aber wirkliche Technik-Funktionen sucht oder damit spielen will (vielleicht kann man ja auch die Kinder als Ausrede vorschieben 😉) schaut sich besser nach etwas anderem um. Ebenso derjenige, der ein bisschen basteln oder tüfteln will, dazu lässt dieser Bausatz wirklich keinen Raum – außer man schmeißt die Anleitungen weg, öffnet alle Tütchen gleichzeitig und baut einfach drauf los…
Ergänzungen und Alternativen
Früher hatte man, wollte man mit „Klemmbausteinen“ bauen und spielen, genaue eine Möglichkeit: Lego. Das hat sich grundlegend geändert. Heute gibt es eine Vielzahl von Anbietern: Mould King, CaDA, COBI usw.
Diese Anbieter haben alles etwas gemeinsam: sie kommen alle aus China, die Steine sind zu 100% kompatibel mit Lego-Steinen, die Modelle sind teilweise DEUTLICH günstiger als die aus Dänemark (wobei die auch nur noch teilweise da hergestellt werden) und die Vielfalt ist bedeutend größer.
Meinem Eindruck nach hat Lego sich komplett in dem ganze Lizenzkram verheddert. Es gibt von Lego Lizenzprodukte aus den Bereichen StarWars, Harry Potter, Marvel usw. Hinzu kommen dann einzelne Modelle mit Lizenzen von Fahrzeugherstellern wie Porsche, Mercedes, Volvo, Liebherr uvm.
Da könnte man ja denken, dass das ganz cool ist. Die Frage ist nur, was ich als Verbraucher von den Lizenzen habe. Denn wer glaubt, dass die Modelle den Originalen dann besonders ähnlich sehen (ähnlicher als die von anderen Herstellern (ohne Lizenz)), der täuscht sich gewaltig. Auch eine besonders gute, schöne oder ausführliche Dokumentation (z.B. ein Begleitbuch mit Fotos, der Geschichte des Fahrzeugs o.ä.) sucht man vergebens.
Im Preis hingegen schlägt sich die Lizenz ganz erheblich nieder. So sind Modelle jenseits von 400 bis 600 Euro keine Seltenheit mehr. Der „Todesstern“ (StarWars-Lizenz) – der im Übrigen unterirdisch schlecht sein soll – schlägt dem Fass mit 999,99 € dann endgültig den Boden aus. Wir reden hier über Klemmbausteine aus Plastik!
Daher kam ich eingangs zu meiner Einschätzung, dass der Preis für die G-Klasse hier, noch ok ist (179,- €) – für Lego-Verhältnisse auf jeden Fall.
Zum Vergleich liste ich hier mal beispielhaft 2 Modelle von anderen Herstellern auf (und vergleiche sie ganz kurz mit G-Klasse von Lego), dann kann sich jeder selbst ein Bild von den Preisen machen:
CaDA C61042w – Supercar 199,99 €
Mehr Teile (3187), komplett beleuchtet (funktionierende Bremsleuchten, Scheinwerfer etc.), motorisiert und ferngesteuert. Man kann sogar mit der Fernsteuerung die Gänge wechseln (schalten).
Mould King 13106 – Gabelstapler 119,- €
Zwar weniger Teile (1719) aber sehr viele Funktionen, die alle motorisiert sind (fahren, lenken, Gabelbaum neigen, Gabel heben und senken) und das Ganze natürlich ferngesteuert (incl. 5 Motoren, USB-Batteriebox und Fernbedienung – App-Steuerung per Handy auch möglich).
Da ich Lego nicht sammle und auch keine „Ausstellungsplatz“ habe, habe ich das Modell nach dem Zusammenbau wieder komplett zerlegt und wieder verkauft. Bei ebay habe ich dafür 160,- € plus Versand erhalten. Unterm Strich hat mich der Aufbauspaß also nur knapp 20 Euro gekostet.
Bei Wiederverkauf ist Lego momentan noch im Vorteil, weil die meisten Käufer offenbar noch unsicher sind, was die anderen Hersteller (mit denen ich bis jetzt nur positive Erfahrungen gemacht habe) angeht.
Übrigens muss man die Modelle der anderen Hersteller auch nicht mehr auf dunklen Kanälen direkt in China bestellen. Es gibt eine ganze Reihe seriöser Händler in Deutschland und auch Amazon hat die Dinger im Programm.
Cheers!

Originalkarton und Bauanleitungen

Die Technik unter dem Auto

Innenraum-Details

Das lässt sich alles öffnen… 😉

sieht schon gut aus….

0 Kommentare