Fragen und Mythen zum Ballastabwurf – Teil 5

3.Feb. 2026 | Ballast-Abwurf, Gesundheit! | 0 Kommentare

Macht spätes Essen wirklich fett?

 

„Nach 18 Uhr esse ich nichts mehr!“
Kaum ein Abnehm-Satz ist so bekannt – und kaum einer sorgt für so viel schlechtes Gewissen, wenn man abends doch noch Richtung Kühlschrank schielt. Aber ist spätes Essen wirklich der direkte Weg zur Hüftspeck-Hölle oder haben wir es hier mit einem hartnäckigen Diät-Mythos zu tun?

Diese Frage wird in der Wissenschaft sehr kontrovers diskutiert. Einige Studien belegen, dass es, was die Gewichtszu- oder abnahme angeht, keine Rolle spielt, wann man etwas isst. Wissenschaftler der Uni Turin konnten hingegen nachweisen, dass eine erhöhte Kalorienaufnahme beim Abendessen das Risiko für Fettleibigkeit erhöht. Die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) kommt aufgrund der bisherigen Erkenntnisse zu dem Schluss, dass die über den ganzen Tag aufgenommene beziehungsweise verbrauchte Energiemenge immer noch ausschlaggebend für das Körpergewicht sei.

hmm… Und jetzt? 🧐

Wie du dir denken kannst, kann ich keine eigene wissenschaftliche Studie vorweisen und gedenke auch nicht eine Metaanalyse oder ein systematisches Review zu verfassen.
Da ich aber über einige Erfahrungswerte verfüge und mich seit längerem mit dem Thema beschäftige, habe ich zumindest eine Meinung dazu. Ich denke, dass diese auch nicht aus der Luft gegriffen ist.

 

Der Mythos: Nach 18 Uhr wird alles sofort Fett

Die Vorstellung klingt einfach und logisch:
Abends fährt der Körper runter, wir bewegen uns weniger, also „verwertet“ er die Kalorien schlechter. Zack – alles landet direkt als Fettpolster auf den Hüften (oder sonst wo).

Das Problem (oder das Glück): So funktioniert der Körper nicht. Unser Körper besitzt keine eingebaute Uhr, die um Punkt 18:01 Uhr sagt: „So, ab jetzt wird alles gespeichert. Pech gehabt.“

Wie immer ist es ein kleines bisschen komplizierter.

 

Was wirklich zählt: Die Energiebilanz

Fürs Abnehmen ist vor allem eine Sache entscheidend:

👉 Wie viele Kalorien wir über den ganzen Tag (oder sogar mehrere Tage) aufnehmen – im Verhältnis zu dem, was wir verbrauchen.
Ob wir diese Kalorien: morgens um 7, mittags um 13 oder abends um 22 Uhr essen, ist zweitrangig.

Wie immer gilt auch hier:
– Kalorienüberschuss Gewichtszunahme
– Kaloriendefizit Gewichtsabnahme
Uhrzeit hin oder her.

 

Warum spätes Essen trotzdem einen schlechten Ruf hat

Jetzt kommt wieder mal ein ABER:
Der Mythos ist zwar falsch – aber er kommt nicht aus dem Nichts.

Spätes Essen ist oft problematisch, weil wir dann oft anders essen als tagsüber.

Wer die Angewohnheit hat, abends spät zu essen, „snackt“ oft eher als das er isst. Das liegt daran, dass man dann meistens keine Lust mehr hat was zu kochen oder zu müde ist sich große Gedanken darüber zu machen, was jetzt sinnvoll und gesund wäre, geschweige denn noch einkaufen zu gehen.
Ruckzuck ist der Lieferdienst angerufen, die Tüte Chips geöffnet oder eben das gefuttert, was halt noch da ist. Das ist dann nur meistens fettiger oder zuckerhaltiger als es gut für uns ist. Zudem wird das Ganze dann gerne mal mit einem (oder mehr) Bier oder Wein runtergespült.
Außerdem läuft ja gerade die neue Staffel der spannenden Serie. Da ignorieren wir dann gerne mal Hunger- und vor allem Sättigungsgefühle.

Kurz gesagt:
👉 Nicht die Uhrzeit macht dick – sondern das was und wieviel wir abends typischerweise essen.

 

Schaltet der Körper den Stoffwechsel nachts in den Sparmodus?

Ja, nachts verbrauchen wir weniger Energie.
Aber: Der Unterschied ist kleiner, als viele denken.

Unser Grundumsatz läuft weiter:

  • Atmung
  • Herzschlag
  • Gehirnaktivität
  • Reparatur- und Aufbauprozesse

Selbst im Schlaf ist dein Körper alles andere als „ausgeschaltet“.
Ein normal großes Abendessen wird also nicht automatisch zu Fett, nur weil du danach ins Bett gehst.

 

Was man aber bedenken sollte

Sehr spätes und unstrukturiertes Essen kann

  • den Schlaf stören (da habe ich das Glück, dass ich vor dem Zubettgehen immer noch eine Runde mit meinem Hund an der frischen Luft drehe. Das tut mir immer sehr gut.)
  • Heißhunger fördern
  • langfristig schlechte Essgewohnheiten fördern
  • den Grund haben, dass man nur aus Langeweile, Stress oder Gewohnheit isst oder man tagsüber zu wenig gegessen hat und abends „nachholt“ (hier muss man sich selbst genauer beobachten)
  • schwere und üppige Malzeiten können durch die eingeschränkten Stoffwechsel- und Organfunktionen schlechter verdaut werden. Dann kann einem das Essen buchstäblich schwer im Magen liegen.

 

Fazit

Fett macht nicht die Uhrzeit – sondern das Gesamtbild

Allgemeingültige Deadlines wie „Nach 18 Uhr soll man nichts mehr essen!“ sind jedenfalls für die Tonne.

Was zählt:

  • Gesamtenergie
  • Qualität der Nahrung
  • Regelmäßigkeit
  • und ein Essverhalten, das zu deinem Alltag passt

Anders gesagt:
Wenn spätes Essen dich satt, zufrieden und im Kaloriendefizit hält – dann ist es kein Problem.
Wenn es dich in die Snack-Dauerschleife schickt – dann schon.

 

Cheers!

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