„Ist das Absicht oder bist du krank?“
Je mehr Kilos ich verliere, desto mehr Menschen sprechen mich darauf an. Das liegt wohl in der Natur der Sache.
Entweder habe ich meine gewohnten Klamotten an und ich sehe aus, als würde ich darin ersaufen, oder ich habe neue an (solche, die mir jetzt passen) und dann sehe ich den Unterschied zu früher sogar selbst.
Das klingt vielleicht merkwürdig, aber wenn man sich (oder jemand anderen) jeden Tag sieht, fallen einem Veränderungen jeglicher Art weniger auf, als wenn man sich nur alle paar Wochen oder Monate sieht. Daher ist es mir anfangs auch wirklich schwer gefallen, an mir selbst einen Unterschied zu sehen. Nur die Zahlen meiner Waage und meines Maßbands waren eindeutig.
Nun ja, jetzt scheint meine Veränderung jedenfalls so auffällig zu sein, dass mich auch Menschen ansprechen, die ich nur vom Sehen her kenne. Meistens höre ich dann Sätze wie: „Wow sind Sie schlank geworden!“ oder „Wie hast Du das denn geschafft?“. Gerne genommen ist auch diese Variante: „Könnten Sie nicht mal meinem Mann Ihren Trick verraten?“
Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass mir das nicht gefällt. Natürlich freut es mich, dass man das Ergebnis meiner Bemühungen deutlich sieht. Ein Lob, gerade von Menschen, die damit keine Erwartungen verbinden, ist natürlich auch immer super und kann auch ungemein motivieren.
Darum finde ich es auch toll, dass Leute auf mich zukommen und mir das sagen. Das traut sich ja wahrscheinlich nicht jeder.
Noch mehr erstaunt mich aber, wie viele Menschen sich scheinbar Sorgen um mich machen. Zum Beispiel habe ich vor zwei Wochen einen Mann getroffen, den ich nur daher kenne, dass ich ihn ab und zu beim Gassigehen sehe. Wir sagen uns immer „Hallo“ und tauschen maximal ein paar Belanglosigkeiten aus, die Hunde schnuppern mal, aber das war’s dann auch. Ich würde ihn eher als „einfaches Gemüt“ bezeichnen, Hardcore-Fußballfan etc.
Für die Trierer: En echten Triernochter Hautz! Wichtig: Das meine ich absolut nicht abwertend, denn in den fast 20 Jahren, die ich jetzt hier in dem Stadtteil (mit teils schlechtem Ruf) lebe, habe ich die direkte, ehrliche Art und die raue Schale, die oft mit großer Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft kombiniert ist, sehr zu schätzen gelernt.
Jedenfalls kommt er auf mich zu, mustert mich von oben bis unten und sagt dann in breitestem Trierer Dialekt (ich übersetze ins Schriftdeutsche): „Ich muss dich das jetzt mal fragen: Ist das Absicht oder bist du krank?“ In seinem Tonfall habe ich echtes Interesse zu hören geglaubt. Die Erleichterung und Begeisterung, als ich ihm gesagt habe, dass ich gesünder als vorher bin und absichtlich abgenommen habe, weil ich vorher viel zu fett war, war jedenfalls echt. Er hat mir umgehend ein Loch in den (jetzt kleineren) Bauch gefragt. „Wie? Seit wann? Womit?“…
Das ist nur ein Beispiel von mehreren. Vor allem ältere Menschen haben mich schon öfter gefragt, ob ich krank sei – sie sehen das sicher nochmal aus einer anderen Perspektive und mit anderem Erfahrungshintergrund.
Wenn ich dann sage, dass ich schon über 40 Kilo abgeworfen habe, wird mir das allerdings in den seltensten Fällen geglaubt und wahrscheinlich für maßlos übertrieben und für reine Angeberei gehalten. 🤷♂️
Die treuen Leser unter euch konnten aber „meine Reise“ bis hierhin ziemlich nah mitverfolgen und es gibt auch genügend Zeugen für diese Zahl – auch wenn ich sie selbst manchmal nicht glauben kann. Ich muss es nochmal sagen: Wer hätte das geglaubt? Ich am allerwenigsten!
Zahlen, Daten, Fakten
Für alle Statistiker, Wissenschaftler, Mounjaro-Mitstreiter und -Interessierte unter Euch folgen jetzt noch ein paar Zahlen, Daten und Fakten.
Eines noch vorweg: jeder Mensch ist anders und ich schildere hier MEINE Erfahrungen. Jeder Mensch reagiert ein bisschen anders auf ein bestimmtes Medikament, so auch bei Mounjaro. Hinzu kommt, dass jede(r) mit einem anderen Gewicht, unterschiedlicher Konstitution und Motivation startet, sich anders ernährt, einen ganz eigenen Grundumsatz hat und vieles mehr.
Da ich jetzt seit über 8 Monaten „mein Programm“ durchziehe, stelle ich bei mir selbst gewisse Regelmäßigkeiten und Muster fest. Diese Erfahrungswerte möchte ich gerne mit Euch teilen, auch wenn sie sicher nicht auf jeden exakt so zutreffen.
Eli Lilly (Lilly Deutschland GmbH) ist der Hersteller des von mir genutzten Medikaments Mounjaro. Er sieht vor, dass man einen KwikPen (Darreichungsform des Medikaments, ähnlich einem Insulin-Pen) 4 Wochen lang benutzt und dann einen neuen mit der nächsthöheren Dosis verwendet. Also 4 Wochen lang 2,5 mg, dann 4 Wochen 5 mg, dann 4 Wochen 7,5 mg usw.

Dosierungs-Verlauf Lars / Herstellerempfehlung
In der Grafik seht ihr in grün den vom Hersteller vorgesehenen Verlauf. Blau hingegen ist mein persönlicher Verlauf.
Warum weichen die Kurven so stark voneinander ab und was bedeutet das?
Darüber, wieso der Hersteller eine so schnelle Steigerung der Dosis vorsieht, kann ich nur spekulieren. Wahrscheinlich hat sich das in Studien so als optimal erwiesen. Vielleicht ist es aber auch einfach der beste Weg, um möglichst schnell, möglichst viel Geld zu verdienen – je höher die Dosis, desto teurer ist der Pen.
In den ersten beiden Monaten habe ich mich genau an die Vorgaben des Herstellers gehalten. Vier Wochen lang die „Einstiegsdosis“ von 2,5 mg gespritzt, dann auf 5 mg erhöht. Als ich dann aber wieder erhöhen sollte, habe ich mich gefragt, warum. Ich kam prima klar, die gewünschten Effekte sind eingetreten und ich hatte keine Nebenwirkungen. Also habe ich beschlossen, noch ein bisschen länger mit der 5-mg-Dosis weiter zu machen. Das ist der Punkt, an dem die beiden Kurven in der Grafik anfangen auseinander zu laufen.
Nach 9 Wochen mit 5 mg habe ich dann festgestellt, dass die gewünschten Effekte nachlassen. Ich hatte wieder mehr Hunger und der Gewichtsverlust pro Woche wurde auch immer kleiner. Also habe ich die Dosis erhöht (dazu weiter unten noch mehr). Nach weiteren 9 Wochen war es dann wieder so weit und ich habe die Dosis wieder erhöht.
Nach mittlerweile 35 Wochen zeigt sich ein klares Muster: Mein Rhythmus ist offenbar eine Erhöhung alle 9 Wochen.
Die Grafik zeigt auch, dass man lt. Hersteller nach einem halben Jahr schon auf der Höchstdosis von 15 mg sein sollte – da war ich gerade mal bei der Hälfte (7,5 mg). Dass ich die Dosis deutlich langsamer gesteigert habe, hat in meinen Augen 3 Vorteile:
➜ Eine Steigerung um jeweils 2,5 mg haut die meisten Anwender wohl ziemlich aus den Schuhen. Bei mir (und anderen Anwendern, mit denen ich im Austausch stehe) war das jedenfalls so. Bei der Steigerung von 2,5 auf 5 mg habe ich zwar keine negativen Auswirkungen gespürt, aber als ich von 5 auf 7,5 mg erhöht habe, war mir kotzübel usw. (siehe auch hier). Konsequenz: ich steigere nicht nur in längeren Abständen (alle 9, statt alle 4 Wochen), sondern dann auch in kleineren Schritten (1,25 mg statt direkt 2,5 mg). Da diese feine Dosierung mit dem Pen („Klicks“) überhaupt kein Problem darstellt, ist mir völlig unklar, warum das vom Hersteller nicht erwähnt wird (wenigstens als Möglichkeit bei Nebenwirkungen).
➜ So habe ich immer viel „Luft nach oben“. Wenn ich also merken würde, dass die Dosis zu gering ist, kann ich jederzeit (und noch lange Zeit) steigern. Macht man es wie der Hersteller vorgibt, ist schon nach einem halben Jahr das Ende der Fahnenstange erreicht.
➜ Es ist eine deutliche Kostenersparnis. Hätte ich mich an die Herstellervorgaben gehalten, hätte mich meine Therapie bis heute 3695,06 € gekostet.
In Wirklichkeit habe ich bis jetzt 1543,46 € ausgegeben.
Das ist eine Differenz von über 2000 €!
Fairerweise muss ich erwähnen, dass das nicht nur an der langsameren Steigerung der Dosierung liegt, sondern auch noch an ein paar anderen „Tricks“ (alle legal und medizinisch sicher). Wer mehr darüber erfahren will, kann alles ganz genau hier nachlesen.
Auch 1543,46 € sind kein Pappenstiel und mir ist auch klar, dass sich das leider nicht jeder leisten kann (schöne Grüße an die gesetzlichen Krankenkassen und den Gesetzgeber, die dafür sorgen müssten, dass die Kosten übernommen werden, denn wir reden hier über eine chronische Krankheit und die Kosten für chronische Krankheiten müssen übernommen werden – aber das ist nochmal ein anderes Thema).
Für mich ganz persönlich ist diese Investition in meine Gesundheit und mein allgemeines Wohlbefinden allerdings in jedem Fall „rentabel“.
Dass meine Vorgehensweise für mich die richtige ist, kann ich auch an weiteren statistischen Werten ablesen. Denn obwohl ich viel geringer dosiere als vorgesehen, liege ich, was den Erfolg angeht deutlich über den Werten, die in Studien ermittelt wurden (und die vom Hersteller auch als Werbung benutzt werden). So gibt Lilly eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von 20-22,5 % nach 72 Wochen an. Ich liege nach nur 35 Wochen schon bei über 28%.
Es gibt noch weitere Kennzahlen, die ich anführen könnte, aber bevor das hier den Anschein von Angeberei bekommt und euch die Birne vor lauter Zahlen raucht, höre ich lieber auf.
Das alles habe ich aufgeschrieben, weil ich immer wieder danach gefragt werde und es dem einen oder anderen vielleicht bei seiner persönlichen Entscheidung für oder gegen das Medikament hilft.
Zwar tue ich auch einiges für meinen Ballastabwurf, strenge mich an, versuche ziemlich konsequent zu sein (was natürlich nicht immer gelingt) usw., aber ich habe wohl auch großes Glück, dass die Therapie bei mir so gut funktioniert.
Jedenfalls bin ich nach wie vor sehr motiviert meinen Weg weiter zu gehen und das nächste große Ziel zu erreichen: einen Zentner abzuwerfen. Mal sehen, ob ich das auch noch schaffe…
Cheers!

0 Kommentare