Der ZENTNER!
Ich habe es wirklich geschafft! Ehrlich gesagt kann ich es selbst noch nicht so ganz glauben. 50 Kilo!
Um es mir selbst zu verdeutlichen: das sind
➜ 200 Päckchen Butter oder
➜ ein riesiger Sack Kartoffeln (früher) oder
➜ 2 Säcke Zement (heutzutage) oder
➜ 50 Tüten Mehl, Zucker oder Milch oder
➜ mehr als meine komplette Nachbarin (mit Klamotten, Schuhen und ihrem Meerschweinchen)
Und das soll ich wirklich verloren haben? Ja, das habe ich wohl. Unglaublich – jedenfalls für mich.
Wahrscheinlich fragen sich einige, warum mich das jetzt so überrascht bzw. überwältigt. Ich bin ja nicht einfach aufgewacht und schwups war der Zentner weg. Das kam ja nicht plötzlich.
Auch weiß ich, dass einige Leute mir das einfach gar nicht erst glauben. „Einen Zentner? Ja ne, is klar! (Dummschwätzer!)“.
Häufig werden mir folgende Fragen gestellt:
„Wie fühlt sich das an?“
„Was hat sich für Dich verändert?“
„Bist Du jetzt ein anderer?“
Auf all das will ich in diesem Artikel eingehen.
Warum so ein Aufriss bei der Zahl 50?
Das ist eine gute Frage! Eine Frage, die ich mir selbst seit einiger Zeit stelle. Ist es nicht egal ob man nun 47, 49,3 oder 50 Kilo abgenommen hat? Gibt es da wirklich einen Unterschied?
Klare Antwort: Ja, den Unterschied gibt es!
Natürlich merke ich keinen körperlichen Unterschied zwischen 47 und 50 verlorenen Kilos. Klar passe ich jetzt in die gleichen Klamotten wie mit 3 Kilo mehr. Selbstverständlich habe ich auch schon mit weniger als 50 verlorenen Kilos große Unterschiede bei meiner Gesundheit, meiner Fitness usw. gespürt. Aber ganz offenbar macht die magische Zahl 50 etwas mit meiner Birne.
Als ich im August 2025 mit meinem „Projekt Mounjaro“ (interner Arbeitstitel meines Ballastabwurfs) angefangen habe, habe ich mir ganz bewusst nur ein einziges Ziel gesetzt: Ich will abnehmen. Punkt. Konkrete Ziele wie „Ich will ein UHU (unter hundert Kilo) werden.“, „Ich will mind. X% meines Gewichts reduzieren.“ oder ein konkretes Zielgewicht habe ich mir gar nicht erst gesteckt.
Das hat zum einen damit zu tun, dass ich das Gegenteil eines ehrgeizigen Menschen bin und alles was nach Wettbewerb riecht hasse, und zum anderen wollte ich mich nicht selbst unter Druck setzen. Als ich mich aber langsam der Marke von 50 Kilo genähert habe, habe ich gemerkt, dass ich das wirklich unbedingt schaffen will. Warum das so war, kann ich nicht genau sagen, aber seit einigen Wochen war das mein klares Ziel. Und das habe ich jetzt erreicht. „Das macht was mit mir!“, wie man wohl heute sagen würde.
Zwischen Stolz und Staunen
Ich bin stolz. Das sage ich nicht leichtfertig. Stolz klingt schnell nach Schulterklopfen in eigener Sache, und das finde ich meistens unangenehm (bei mir und bei anderen). Aber ja: Ich bin stolz.
Nicht, weil jetzt alles perfekt ist. Nicht, weil ich irgendein Vorher-nachher-Märchen erzählen will, bei dem der Mensch vorher grau und traurig war und nachher in Zeitlupe lachend durch ein Weizenfeld läuft. Ich laufe nicht durch Weizenfelder. Schon aus Respekt vor Nahrungsmitteln nicht. Und weil irgendwo immer ein Bauer steht, der zu Recht fragt, was ich da mache.
Ich bin stolz, weil ich drangeblieben bin. Weil ich mir Hilfe geholt habe. Weil ich akzeptiert habe, dass mein Problem größer war als ein bisschen Willenskraft und ein hübscher Wochenplan mit Brokkoli. Weil ich nicht aufgegeben habe, obwohl es genug Gelegenheiten dazu gab.
Gleichzeitig staune ich. Über meinen Körper. Über das, was möglich war. Über den Unterschied, den 50 Kilo machen. Über die Tatsache, dass ein Mensch sich nach langer Zeit wieder wie ein Mensch fühlen kann, der nicht nur funktioniert, sondern lebt.
50 Kilo weniger bedeuten auch: Der eigene Körper ist nicht mehr ständig im Weg. Das klingt hart, aber wer es kennt, weiß genau, was ich meine. Es gibt dieses Gefühl, dass man sich selbst mit sich herumträgt. Nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Als hätte man immer einen Rucksack auf, der nicht abnehmbar ist. Einen Rucksack voller Gewicht, Scham, Müdigkeit, Ausreden, Enttäuschungen und dem Satz: „Ich müsste eigentlich…“
Ich fühle mich tatsächlich wie ein neuer Mensch. Nicht im Sinne von: komplett ausgetauscht, alte Version gelöscht, Update erfolgreich installiert. Mehr so: Ich bin immer noch derselbe, aber jemand hat die schwere Bleiweste entfernt, die ich irgendwann für normal gehalten habe.
Das ist vielleicht das Erschütterndste daran: Man gewöhnt sich an vieles. Auch an Last. Auch an Einschränkungen. Auch an das ständige kleine Rechnen im Kopf: Passt das? Schaffe ich das? Halte ich das aus? Wie wirke ich? Was denken andere?
Wenn diese Last leichter wird, merkt man erst, wie schwer sie war.
Mounjaro: kein Zauberstab, aber für mich das entscheidende Werkzeug
Und ja: Ich sage es ganz klar. Ohne Mounjaro hätte ich das nicht geschafft.
Das ist ein Satz, bei dem manche Menschen sofort innerlich die Augenbraue hochziehen. Ach so, mit Spritze. Na dann. Als wäre damit alles erledigt. Als würde man sich einmal piksen, und am nächsten Morgen wacht man auf, drei Konfektionsgrößen kleiner, mit glänzendem Haar, perfekter Disziplin und der Fähigkeit, an einer Bäckerei vorbeizugehen, ohne emotional einen Antrag auf Asyl im Croissant-Regal zu stellen. So ist es nicht.
Mounjaro war für mich kein magischer Knopf. Kein Wundermittel. Kein „Abnehmen im Schlaf“, während im Hintergrund eine Harfe klimpert. Es war eher wie ein Geländer an einer sehr langen, sehr steilen Treppe. Gehen musste ich selbst. Schritt für Schritt. Aber zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, nicht permanent rückwärts gezogen zu werden.
Für mich hat sich durch Mounjaro etwas verändert, das vorher immer mein größter Gegner war: dieser Druck. Dieses ständige Kreisen ums Essen. Dieses Gefühl, der Kopf sei eine 24-Stunden-Imbissbude mit Leuchtreklame. Plötzlich wurde es leiser. Nicht komplett still, aber leiser. Kontrollierbarer. Machbarer.
Und genau das war für mich der Unterschied zwischen „Ich versuche es mal wieder“ und „Ich kann es tatsächlich schaffen“.
Trotzdem musste ich Entscheidungen treffen. Jeden Tag. Mounjaro hat nicht meine Einkäufe gemacht. Es hat nicht meine Portionen auf den Teller gelegt. Diese Entscheidungen musste ich selbst treffen. Aber ich konnte sie treffen. Und das war neu.
Ich schreibe das nicht als medizinische Empfehlung. Ich schreibe es als meine Geschichte. Als ehrliche Einordnung. Als Antwort auf diese oft etwas schnippische Haltung, Hilfe sei nur dann wertvoll, wenn man sie nicht gebraucht hätte. Blödsinn! Eine Brille ist auch kein Betrug am scharfen Sehen. Blutdrucktabletten sind kein moralisches Versagen. Und wenn ein Medikament mir hilft, eine chronische Erkrankung und ein jahrzehntelanges Problem besser in den Griff zu bekommen, dann ist das kein Trick, sondern dann ist das Hilfe.
Ein Zentner weniger – und trotzdem ich
Wenn ich heute an die 50 Kilo denke, sehe ich diesen Sack Kartoffeln vor mir. Groß. Schwer. Unhandlich. Ein Ding, das man nicht mal eben mitnimmt, sondern für das man sich wappnet. Und dann wird mir klar: Genau das habe ich jahrelang getan. Ich habe mich gewappnet. Für Wege. Für Blicke. Für Stühle. Für Kleidung. Für Fotos. Für Arzttermine. Für Kommentare. Für mich selbst.
Jetzt ist dieser Sack weg. Nicht spurlos. Natürlich nicht. Solche Wege hinterlassen Spuren. Aber er liegt nicht mehr auf meinen Schultern.
Ich bin 50 Kilo leichter. Ein Zentner. Ein großer Sack Kartoffeln. Eine absurde Menge Butter. Mehr als genug, um es nicht kleinzureden.
Und vielleicht ist das der wichtigste Punkt: Ich will es nicht kleinreden. Nicht aus falscher Bescheidenheit. Nicht aus Angst, überheblich zu wirken. Nicht, weil andere vielleicht noch mehr geschafft haben oder es schneller geschafft haben oder angeblich ohne Hilfe geschafft haben.
Das hier ist mein Weg. Meine 50 Kilo. Mein Zentner. Mein Kartoffelsack.
Und ich bin froh, dass ich ihn nicht mehr tragen muss.
Ich bin nicht fertig. Aber ich bin woanders.
Dieser Artikel ist kein Schlussstrich. Kein „Ziel erreicht, Abspann, Popcorn“. Abnehmen ist das eine. Das Gewicht halten, neue Gewohnheiten stabilisieren, den Kopf mitnehmen – das ist ein eigenes Kapitel. Vielleicht sogar ein ganzes Buch.
Ich weiß, dass dieser Weg weitergeht. Ich weiß auch, dass ich wachsam bleiben muss. Nicht panisch. Nicht verbissen. Aber ehrlich. Denn mein altes Leben hat nicht aufgehört zu existieren, nur weil ich neue Hosen kaufen kann. Alte Muster können sehr höflich anklopfen, manchmal auch die Tür eintreten.
Aber ich stehe heute anders da als früher. Ich habe erlebt, dass Veränderung möglich ist. Nicht als Kalenderspruch auf rosafarbenem Hintergrund, sondern ganz praktisch. In meinem Körper. In meinem Alltag. In meiner Kleidung. In meinem Atem. In meinem Blick in den Spiegel.
50 Kilo weniger sind nicht nur weniger Gewicht. Es ist mehr Beweglichkeit. Mehr Freiheit. Mehr Zutrauen. Mehr Luft. Mehr Leben.
Und ja, auch mehr Spaß beim Klamotten kaufen. Wobei ich eins direkt klarstellen möchte: Nur weil ich jetzt in normalen Geschäften fündig werde, heißt das nicht, dass ich plötzlich an Mode interessiert bin. Das wäre zu viel verlangt. Ich kann jetzt mehr auswählen – ich muss also künftig auf höherem Niveau danebenliegen.
Aber selbst das ist schön. Denn Auswahl zu haben, ist ein Luxus, den ich lange nicht hatte.
Noch etwas anderes, das mich sehr freut
Wer Interesse hatte, konnte meine bislang über 9-monatige „Reise“ ja recht detailliert verfolgen. Ich bin nicht nur sehr offen im direkten Kontakt mit Menschen damit umgegangen, sondern habe eben auch mit meiner kleinen Internetseite hier begonnen.
Beides hat nicht nur positive Reaktionen hervorgerufen. Einige Menschen sind dem Ganzen mit Argwohn, Skepsis und Kritik begegnet. Zum einen ist es für manche ein Unding, dass man ein Medikament zum Abnehmen benutzt, zum anderen finden es auch manche (oft dieselben) blöd, lächerlich, angeberisch oder selbstverliebt, so ausführlich darüber zu berichten (und dann auch noch in diesem Internet!)
Auf die Sache mit dem Medikament will ich an dieser Stelle nicht noch einmal eingehen, dazu habe ich schon einige Artikel geschrieben. Wer dieses Medikament als vermeintliches Wundermittel, als einfache Abnehmspritze oder Betrug am wahren Abnehmen bezeichnet, hat erstens keine Ahnung (was nicht schlimm ist, denn nicht jeder muss sich mit diesem Kram auskennen), ist zweitens recht schlecht informiert und/oder hat drittens nichts davon verstanden.
Auf meinen offenen Umgang mit dem Thema (und meinen Blog) möchte ich aber kurz eingehen:
Ich versichere Euch, dass ich auch dann weiter darüber gesprochen und geschrieben hätte, wenn ich nicht so einen schönen Erfolg gehabt hätte. Das erwähne ich, weil ich schon ein paar Mal gehört habe, dass ich das ja nur mache um mit meinem Erfolg zu prahlen. Dass das nicht stimmt, kann man schon daran erkennen, dass ich fast seit Anfang an darüber berichte – ab einem Zeitpunkt, zu dem noch überhaupt nicht absehbar war, ob es ein Erfolg oder ein großes Desaster werden würde. Zudem muss sich ja auch noch zeigen, ob nicht die ganzen Skeptiker recht behalten und ich in einem Jahr wieder alles zugenommen haben werde – aber auch darüber werde ich berichten. Versprochen!
Meine Motivation war von Anfang an, dass ich andere, an dem Thema interessierte Menschen an meinen Erfahrungen teilhaben lassen wollte um ihnen eventuell ihre eigene Entscheidung für oder gegen diesen Weg zu erleichtern und vielleicht sogar den einen oder anderen Tipp geben zu können.
Und was soll ich sagen? Genau das ist eingetreten. Einige Leute sind (auch wegen meines Blogs) mit mir in Kontakt getreten und es haben sich sehr interessante Gespräche ergeben. Wir konnten uns austauschen, Überlegungen anstellen, Bedenken und Erwartungen teilen, Tipps und Tricks weitergeben usw. Auch wenn es nur eine einzige Person gewesen wäre, hätte sich die ganze Sache schon für mich gelohnt – aber es waren mehr…
Genau das freut mich ungemein und ist zu meinem Ballastabwurf noch ein kleines Extra obendrauf. „Die Kirsche auf der Sahne“ – wenn das Hauptthema nicht gerade der Gewichtsverlust wäre. 😜
So, und jetzt schnappe ich mir meine Flinte und gehe auf die Jagd nach dem UHU – natürlich nur sinnbildlich!
Cheers!

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