Fragen und Mythen zum Ballastabwurf – Teil 6

2.Apr. 2026 | Ballast-Abwurf, Gesundheit! | 0 Kommentare

Gibt es „negative Kalorien“?

 

Habt ihr schon mal von Negativ-Kalorien (oder negativen Kalorien) gehört?

Ich habe das ehrlich gesagt für einen schlechten Witz gehalten. Dann aber musste ich feststellen, dass ziemlich viele Menschen davon überzeugt sind, dass es so etwas gibt.

„Also, dass Sellerie, Grapefruit und Gurke weniger Kalorien haben, als zu ihrer Verdauung benötigt werden, weiß man doch!“

Aha? Weiß man das?

Okay, die Vorstellung hat natürlich was: Du isst etwas – sagen wir eine Stange Staudensellerie – und weil das Zeug so sperrig und energiearm ist, muss dein Körper mehr Energie aufwenden, um es zu zerkleinern, zu transportieren und zu verdauen, als das Lebensmittel selbst liefert. Am Ende der Mahlzeit hast du also weniger Kalorien auf dem Konto als vorher.

Klingt absurd? Ist es auch!

Da es sich aber anscheinend um einen ziemlich hartnäckigen Mythos handelt, schauen wir uns die Sache mal etwas genauer an.

 

 

Die „Bearbeitungsgebühr“ des Körpers (TEF)

In der Biologie nennt man den Energieaufwand für die Verdauung die thermische Wirkung der Nahrung (Thermic Effect of Food, kurz TEF).

Mein alter Bio-LK-Geist erinnert sich: Unser Körper arbeitet nicht umsonst. Jedes Mal, wenn wir etwas essen, springt die Maschinerie an. Enzyme werden produziert, die Darmperistaltik (das lustige Geknete deiner Innereien) legt los, und Nährstoffe werden aktiv durch Zellwände gepumpt.

Dabei gibt es unterschiedliche „Steuersätze“ für die verschiedenen Makronährstoffe:

➜ Fette: Sind extrem effizient. Die Bearbeitungsgebühr liegt bei läppischen 0 bis 3 %. Fast alles geht direkt auf die Hüfte.

➜ Kohlenhydrate: Hier liegen wir bei etwa 5 bis 10 %.

➜ Proteine: Der König der Verdauungsarbeit! Hier werden bis zu 20 bis 30 % der Energie direkt wieder für die Verarbeitung verfeuert.

Das Problem für die Sellerie-Theorie: Selbst wenn du dich ausschließlich von Eiweiß ernährst, bleiben immer noch 70 % der Energie für dich übrig. Bei wasserreichem Gemüse wie Sellerie oder Gurken ist der TEF-Anteil zwar vorhanden, aber er übersteigt niemals die 100 %.

Die Natur ist kein Idiot – ein Lebewesen, das mehr Energie für die Nahrungsbeschaffung und -verdauung ausgibt, als es zurückbekommt, wäre in der Evolution schneller aussortiert worden, als dass es „Hunger“ hätte sagen können.

 

 

Warum Menschen diesen Mythos lieben

Wir suchen immer nach dem „Easy Way out“. Wir wollen das System überlisten. Aber die Thermodynamik ist ein gnadenloser Türsteher.

Wie ich in meinem Artikel „Fragen und Mythen zum Ballastabwurf – Teil 3“ erklärt habe: Fett verlässt den Körper zu 84 % über die Lunge als CO2. Damit dieses Fett aber überhaupt erst in die Mitochondrien (die Kraftwerke der Zellen) gelangt, um dort verbrannt zu werden, brauchen wir ein Energiedefizit (also mehr Kalorien verbrauchen, als wir aufnehmen). Ein Lebensmittel mit integriertem Energiedefizit gibt es aber leider nicht.

 

 

Warum Sellerie trotzdem funktioniert

Das Geheimnis ist nicht die „negative Kalorie“, sondern die Energiedichte.

Wenn du deinen Magen mit 500 Gramm Brokkoli und Sellerie füllst (ca. 100 Kalorien), bekommt dein Hirn die Information: „Hey Boss, hier ist alles voll, wir platzen gleich!“ Du bist satt.

Wenn du stattdessen 500 Gramm Pizza isst (ca. 1.300 Kalorien), ist dein Magen auch voll, aber du hast das 13-fache an Energie geladen.

Zudem hat der olle Sellerie neben der geringen Energiedichte auch noch andere Vorteile: Ballaststoffe, Vitamine, Mikronährstoffe etc.

 

 

Ein Wort zum Thema „Eiswasser“ und Kälte

Oft wird im gleichen Atemzug behauptet, eiskaltes Wasser hätte negative Kalorien, weil der Körper es auf 37 Grad aufheizen muss.

Physikalisch stimmt das sogar! Um einen Liter Wasser von 0 Grad auf Körpertemperatur zu bringen, verbrennt dein Körper etwa 30 Kalorien.

Aber: Ein verdammter Keks hat schon 50-80 Kalorien. Du müsstest also zwei Liter Eiswasser saufen, um einen halben Keks zu neutralisieren. Viel Spaß auf dem Klo!

 

 

Fazit

Negative Kalorien sind ein biologisches Einhorn: Ein schöner Gedanke, aber leider nicht existent. Wer abnehmen will, kommt an der Bilanz nicht vorbei.

Was aber existiert, sind „clevere Kalorien“. Lebensmittel, die dich so lange beschäftigen und so gut sättigen, dass du gar keine Lust mehr hast, deine Vorratskammer zu plündern. Nutze den Sellerie als Werkzeug, nicht als Wunderheilmittel.

In diesem Sinne: Kaut fleißig, aber erwartet keine Wunder von der Thermodynamik. Wir sehen uns beim nächsten Mal, wenn wir klären, ob Denken eigentlich schlank macht.

 

Cheers!

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