Was ist effizienter: Diät oder Sport?
Vielleicht ist ja auch was Interessantes für Dich dabei. Wenn Du spezielle Fragen hast, die Dich interessieren, schreib mir gerne eine E-Mail an Fragen@Lars-Lehnert.de.
„Wenn man zu dick ist, muss man mehr Sport machen!“. Das ist der Satz, den man meistens zu hören bekommt.
Ist doch klar! Mehr Bewegung = höherer Kalorienverbrauch = weniger Gewicht. Bewegung und Sport sind also das beste Mittel gegen Übergewicht.
Ich sage: Das ist kompletter Bullshit! Sport wird vollkommen überschätzt!*
* Die Aussage bezieht sich auf die Gewichtsreduktion, nicht auf die Gesundheit allgemein!
Oh je… Was für eine steile These! Einige werde an dieser Stelle schon nicht mehr weiterlesen, weil sie denken, dass ich nicht mehr alle Nadeln an der Tanne habe.
Aber für alle die trotzdem dranbleiben, ich will versuchen, meine Aussage zu verifizieren.
Wenn man sich so umsieht, muss man ja fast ein schlechtes Gewissen kriegen, wenn man keinen Sport macht. Fitnessbuden schießen wie Pilze aus dem Boden, eine Unmenge von Leuten rennen durch die Gegend oder noch schlimmer: walken durch die Landschaft (manche kombinieren es mit Fresh-Air-Snapping 😂), zählen ihre Schritte und tun auch sonst alles um fit zu werden oder zu bleiben.
Versteht mich nicht falsch, jeder soll das machen was ihm gefällt, was ihm Spaß macht und womit er sich wohl fühlt. Sport kann in vielen Fälle sicher nicht schaden – sieht man mal von kaputten Knien und anderen Gelenken, Sportverletzungen etc. ab.
Was mich ganz persönlich stört ist die Tatsache, dass hinter fast jeder sportlichen Betätigung eine geldgeile Industrie steckt, die den Menschen einen Haufen unnötiges Zeug und Dienstleistungen verkaufen will. Dafür wird den Leuten eingeredet, dass sie plötzlich nicht mehr spazieren oder wandern gehen sollen, sondern dafür jetzt Stöckchen aus Higtech-Material, spezielle Schuhe und komplett neue Klamotten brauchen, welche Vorteile das Jahresabo in der Muckibude hat und wie schnell man Erfolge sieht, wenn man dies und jenes Fitnessgerät kauft (und es nur wenige Minuten am Tag benutzt).
Außerdem denke ich bei vielen Menschen, dass sie einen Teil ihrer Freizeit besser nutzen würden, um mal ein Buch zur Hand zu nehmen oder sich auf andere Weise geistig fitter zu machen, als stundenlang auf eine Wand oder einen Fernseher zu glotzen und dabei auf einem Laufband zu rennen wie ein Hamster in seinem Rädchen.
Natürlich gibt es auch einen Haufen Gegenbeispiele und jede Menge Möglichkeiten Sport zu treiben, ohne die Fitnessindustrie zu füttern, aber ich denke es ist klar, was ich meine.
Meiner Meinung nach tun sehr viele Menschen das alles nur, weil sie denken, dass es gut für ihre Gesundheit ist und vor allem auch, weil sie hoffen, dadurch Gewicht zu verlieren (ca. die Hälfte der deutschen Frauen sind übergewichtig, bei Männern sind es sogar zwei Drittel).
Genau über dieses Thema habe ich nachgedacht und wieder ein bisschen gerechnet:
Wenn man also zu viel auf den Rippen hat und abnehmen will (oder muss), sollte man sich ein paar Gedanken zu der eigenen Energiebilanz machen.

Dabei ist die Formel ja bekanntlich sehr einfach: die Energiezufuhr muss kleiner als der Energieverbrauch sein, um Gewicht zu verlieren. Dementsprechend hat man 2 Stellen, an denen man ansetzen kann: die Energiezufuhr reduzieren (Diät) oder/und den Energieverbrauch erhöhen (Sport).
Selbstredend ist die Kombination aus beidem am erfolgversprechendsten. Aber was hat den größeren Effekt?
Um das herauszufinden, nehmen wir wieder unsere 70 kg schwere Beispielperson (Tagesumsatz 10.000 kJ) aus den vorherigen Rechenbeispielen (siehe hier und hier). Wieder ist es das Ziel unserer Person 1 kg Fett (30.000 kJ) loszuwerden.
Möglichkeit 1: Energiezufuhr reduzieren ➜ Diät machen.
Stoppt unsere Testperson die Energiezufuhr komplett (Nulldiät) verliert sie das angestrebte Kilo Fett in 3 Tagen. Das ist natürlich die Extrem-Variante aber machbar.
Möglichkeit 2: Energieverbrauch erhöhen ➜ Sport machen.
Wie wir schon ausgerechnet haben (siehe hier), muss unsere Testperson ca. 100 km joggen um dieses Ziel zu erreichen. Wenn wir ihr 3 Tage Zeit dafür geben, bedeutet das, dass sie weit über 30 km am Tag joggen muss. Eher unwahrscheinlich, besonders für Freizeitsportler.
Damit können wir also festhalten: 1 Tag fasten entspricht 33 km joggen.
Ja, das ist alles stark vereinfacht, hängt von ganz vielen weiteren Faktoren ab etc. Aber es zeigt doch deutlich was effektiver ist. Ich für meinen Teil weiß jedenfalls, welche Variante ich bevorzugen würde.
Wir können das Ganze aber auch an einem Beispiel durchgehen, das vielleicht etwas praxisnäher ist.
Wenn unsere Testperson das durchaus realistische Ziel hat, 2 kg Fett in einem Monat zu verlieren, könnten die Varianten so aussehen:
Entweder die Energiezufuhr um 20% reduzieren oder ca. 7km pro Tag joggen.
Auch hier weiß ich, was für mich realistischer und einfacher umzusetzen ist.
Warum versuche ich hier so zu polarisieren? Wieso versuche ich eine Diät gegen das Sporttreiben „auszuspielen“? Weshalb mache ich den Sport hier so schlecht?
Ich will damit einfach nur zeigen, dass Sport – zumindest was die Gewichtsreduktion angeht – maßlos überschätzt wird. Versprechen, dass man mit nur wenigen Minuten Sport am Tag einen signifikanten Effekt erzeugen kann, sind einfach gelogen.

Ihr habt geahnt, dass noch ein großes „Aber“ kommt, oder? 😉
Und hier kommt es dann auch: Aber natürlich hat es viele Vorteile (auch) Sport zu machen:
- Sport ist grundsätzlich mal gesund und etwas mehr Bewegung tut sicher den meisten von uns gut.
- Herz- Kreislauferkrankungen können durch Sport vermieden oder positiv beeinflusst werden.
- Wer Sport macht, verbraucht mehr Kalorien (als würde er keinen Sport machen). Auch wenn das nicht so wahnsinnig viel ins Gewicht fällt – Kleinvieh macht auch Mist.
- Durch Sport können Muskeln erhalten und aufgebaut werden. Muskeln verbrauchen mehr Energie (auch ohne sie zu benutzen) als anderes Gewebe.
- Startet man eine Diät, gerät der Körper in einen Alarmzustand und reduziert den Grundumsatz. Dadurch wird der Effekt der Diät vermindert. Sport kann dabei helfen dieses Problem zu verringern.
Also: wer Sport machen will oder sogar Spaß daran hat, soll um Himmels Willen Sport machen! Niemals würde ich etwas dagegen sagen. Wer aber keinen Sport macht, sollte kein zu schlechtes Gewissen haben.
Ich zum Beispiel hasse Sport (wer hätte das vermutet?) und werde auch keinen machen. Teamsportarten sind mir ein absoluter Graus. Die Vorstellung mich in einem Raum mit anderen Menschen (für mich sinnlos) an irgendwelchen Geräten zu quälen, ist in meinem Kopf hochgradig absurd. Einem Ball hinterher zu jagen wie ich es von Hunden kenne, erscheint mir komplett lächerlich.
Wahrscheinlich bin ich recht alleine mit dieser Einstellung aber ich habe noch keine echte Sportart gefunden, die mir auch nur im entferntesten Spaß machen würde und daher lasse ich es einfach.
Ich begnüge mich mit unechten Sportarten und versuche einfach mehr Bewegung in meinen Alltag zu integrieren (Treppe statt Aufzug, kleiner Wege zu Fuß erledigen, etc.). Außerdem genieße ich lieber einen ausgedehnten Spaziergang oder eine kleine Wanderung mit meinem Hund in der Natur, als mich vorher verkleiden zu müssen und dann wie ein Duracell-Häschen in einem Raum umher zu hampeln (sorry, aber so käme ich mir vor).
Aber ich halte mich da ganz an das Motto meines Kumpels Eric: „Bei mir darf jeder wie er will!“
Man muss halt nur das Richtige für sich selbst finden und sich klar machen, was man erreichen kann und was physikalisch nicht möglich ist.
Cheers!







