Ballast-Abwurf 06

 

 

 

6. Dezember 2025

Wieder überraschen mich 2,5 mg. Diesmal negativ…
Oder: wie es ist, mit einer Taube Schach zu spielen.

 

Bisher abgeworfen: 26 kg

 

Wie wahrscheinlich unschwer zu vermuten ist, gehöre ich zur Fraktion „Viel hilft viel!“. Dass das nicht immer stimmt (eigentlich stimmt es nur manchmal), weiß ich natürlich. Aber gefühlsmäßig ist das doch irgendwie mein Motto und gilt für ganz viele Lebensbereiche. Von Engagement, Fleiß und Emotionen, über Motorleistung, Waschmittel und Speicherplatz, bis hin zu Zutaten in Rezepten und eben auch Medikamenten.

Als Pharmakologe wäre ich höchstwahrscheinlich eine totale Niete (und zwar ausschließlich wegen dieser Einstellung! 🤭). Was soll das lächerlich kleine Quantum von 0,0025g schon bewirken können?

Jetzt weiß ja jeder (also auch ich), dass schon 0,00000003 g (oder 0,03 ng (Nanogramm)) des stärksten Gifts der Welt einen Menschen töten. Also bei direkterer Injektion in die Blutbahn, bei oraler Aufnahme liegt die letale Dosis natürlich etwas höher – aber wem erzähle ich das?!

Wer zur Hölle käme also auf die idiotische Idee, sich dieses Zeug freiwillig spritzen zu lassen?

Ähm… Naja… Jedes Jahr mehrere zehntausend (!) Personen in Deutschland. Es handelt sich dabei nämlich – und Du ahnst es schon – um Botulinumtoxin, besser bekannt als ‚Botox‘.

Meine Güte! Ich orientiere mich offenbar schon sehr an dem großartigen und unerreichten Harry Rowohlt, welchen ich mehrfach zu treffen, das Vergnügen und die große Ehre hatte.
Warum? Er wurde auch als „Paganini der Abschweifung“ bezeichnet und er hat sogar eines seiner Programme so genannt.

Damit das klar ist: ich will mich in keinster Weise mit diesem unfassbaren Mann und seinem Können vergleichen!!!

 

Also wo war ich? Genau, bei den 0,0025 g – bezeichnen wir sie der Einfachheit halber als 2,5 mg – die ja nicht viel bewirken können… Von wegen!

Schon in meinem Artikel Ballastabwurf 04 habe ich darüber berichtet, welchen Effekt 2,5 mg (mehr) des Medikaments Mounjaro bei mir hatten. Das war Mitte September 2025 und ich hatte meine wöchentliche Dosis von 2,5 auf 5 mg erhöht. Damals mit ausschließlich positiven Auswirkungen. Das sollte sich nun im November leider ändern.

Ich hatte 9 Wochen lang eine Dosis von 5 mg verwendet und kam damit auch sehr, sehr gut zurecht. Allerdings habe ich in den letzten dieser Wochen festgestellt, dass ich von Samstag zu Samstag (mein Mess- und Wiege-Tag) weniger Gewicht verloren habe. Ich habe zwar weiter abgenommen, aber es wurde eben immer weniger. Mein Durchschnitt seit Beginn der Therapie liegt bei etwas über 1,5 kg Gewichtsverlust pro Woche. Das ist viel und muss (und wird) auch nicht immer so bleiben. Allerdings lag die Abnahme in Woche 8 (mit 5 mg) nur noch bei 500 Gramm und in Woche 9 genau bei null. Das alleine wäre kein Drama, aber gleichzeitig war es so, dass mir die ganze Sache immer schwerer Gefallen ist. Immer öfter hatte ich Hunger, immer häufiger war ich ‚unzufrieden‘ und habe wieder mehr und mehr an Essen gedacht.

Da der Hersteller des Medikaments eine monatliche Steigerung der Dosis vorsieht (wovon ich aber dringend abrate – später mehr dazu), ich zu diesem Zeitpunkt schon über zwei Monate auf der gleichen Dosis war, dachte ich, dass es offenbar an der Zeit ist, die Dosis zu erhöhen.

2,5 mg mehr hielt ich für angemessen. Hält man sich an die Vorgaben des Herstellers, kann man ja nur in diesen Schritten steigern. Da ist nicht die Rede von ‚splitten‘ etc. Da soll man ja immer den entsprechenden Pen benutzen und sich jeweils eine ganze Dosis spritzen (also 2,5 dann 5 dann 7,5 usw). Alles andere ist ja lt. Hersteller undenkbar.
Ehrlich gesagt ist mir ziemlich unklar, warum das so ist. Denn ganz offensichtlich verträgt nicht jeder einen ‚so großen Sprung‘ und eine feinere Abstimmung kann auch in anderen Situationen (z.B. der ‚Erhaltungs-Phase‘) unerlässlich sein.

Aber wie schon erwähnt: „Was sollen 2,5mg mehr denn bei einem Bären wie mir ausrichten?“

Ziemlich viel! Ziemlich viel Negatives.

Samstags (Injektionstag) habe ich nur die Effekte festgestellt, die ich schon kannte: Hunger weg, nervige Gedanken an Essen weg. Super!

Sonntags ging es auch noch, da hatte ich nur ein bisschen ‚Bauchgrummeln‘. Aber als ich dann am Montag aufgewacht bin, habe ich mich merkwürdig gefühlt. Mit war leicht übel und im Laufe des Vormittags kamen dann weitere, sehr unangenehme Symptome hinzu. Bauchschmerzen, Durchfall und dann auch noch die berüchtigten ‚schwefligen Aufstoßer‘.

Das klingt eklig? Es ist eklig! Man kann nicht wirklich etwas dagegen tun. Es passiert einfach und dann hat man den Geschmack von Schwefel, manchen sagen von faulen Eiern, im Mund.

All das hat dann bis einschließlich Donnerstag angehalten.

Manch einer wird das jetzt als ‚Jammern auf hohem Niveau‘ bezeichnen oder denken ‚Selbst Schuld, wenn Du Dir so einen Mist spritzt!‘.

 

Kleiner Exkurs:

Gerade gestern wurde auf Facebook wieder ein Artikel vom ‚Luxemburger Wort‘ gepostet. Es ging dabei darum, dass die luxemburgische Krankenkasse die Kosten für Medikamente wie Wegovy und Mounjaro evtl. bald übernehmen wird. Alleine der Teaser zum Artikel war schon Mist, denn da wurde davon gesprochen, wie solche Medikamente auch Menschen helfen können, die nicht krank sind. Da konnte ich mir dann einen Kommentar, dass Adipositas eine anerkannte chronische Krankheit ist, nicht verkneifen.

Viel schlimmer, waren aber die Kommentare darunter. Da war die Rede davon, dass Diabetiker verrecken (Zitat!) nur weil so fette Schweine zu faul zum Sport machen sind usw.

Die Unwissenheit, Ignoranz, Dummheit und Unverschämtheit erschrecken mich jedes Mal aufs Neue.

Eine Dame schrieb, dass sie als Betroffene (Diabetikerin) ihr Medikament ‚wegen denen‘ nicht mehr bekommt. Ich habe dann gefragt um welches Medikament es denn genau geht.

Ich halte diese Aussage nämlich für glatt gelogen, denn die Medikamente ersetzen kein Insulin (wie die Dame (und viele andere) wohl vermutete) und es gibt davon abgesehen auch keinen Engpass bei einem der relevanten Hersteller. Als Antwort hat sie mir dann eine Privat-Nachricht geschrieben und mich sofort blockiert, damit ich ja nicht mehr antworten kann. Was sie (und wie) sie mir geschrieben hat, seht ihr auf dem Foto (Screenshot). Und ja, den Namen habe ich mit Absicht nicht unkenntlich gemacht. Ich denke solche Aussagen sollten auch ein Gesicht haben.

So geht es in den „sozialen“ Medien zu…

Es ist nicht möglich, mich auf diesem Niveau ernsthaft zu treffen und zu verletzen. Wie ich in einem anderen Artikel schon erklärt habe, ist meine Zündschnur bei reiner Dummheit ziemlich lang. Offenkundig hat die Dame gelogen, um sich wichtig zu machen und fühlt sich jetzt ertappt. Und natürlich sollte ich überhaupt keine Kommentare in (a)sozialen Medien lesen, denn wer und was sich da so tummelt, ist sogar mir hinlänglich bekannt. Und sich dort auf Diskussionen einzulassen ist – lasst es mich mit einem treffenden Zitat ausdrücken:

„Mit dummen Menschen zu streiten, ist wie mit einer Taube Schach zu spielen. Egal, wie gut du Schach spielst, die Taube wird alle Figuren umwerfen, auf das Brett kacken und herumstolzieren, als hätte sie gewonnen.“

All das schreibe ich nur auf, um nochmal zu verdeutlichen, warum ich diesen Blog (genauer die Rubrik ‚Ballastabwurf‘) mache:

Mir geht es darum, dass Menschen sie sich für das Thema interessieren, vielleicht selbst betroffen sind, Informationen und Erfahrungen aus erster Hand (also von einem aktiven Anwender) bekommen. Denn leider ist der Kenntnisstand über diesen Themenkomplex in den Medien (allgemein gesprochen) und auch bei vielen Ärzten nur als unterirdisch zu bezeichnen.

Was ich dazu tun kann, versuche ich zu tun. Wer mich fragt, bekommt eine ehrliche Antwort. Insgesamt versuche ich so offen wie möglich mit dem Thema umzugehen und die Realität so ungeschminkt wie möglich abzubilden. Das tue ich, weil ich es kann. Wie ich weiß, können viele Betroffene das nicht und fühlen sich den Anfeindungen und Vorurteilen nicht gewachsen und schämen sich teilweise noch immer. Das sollte sich doch wirklich ändern, oder?!

 

Zurück zum eigentlichen Thema:

Zwei Tage nachdem die nervigen Nebenwirkungen aufgehört haben, war dann wieder Samstag. Also wieder wiegen und auch wieder spritzen.

Die 4 Tage Übelkeit etc. hatten auch einen positiven Effekt, denn ich habe in dieser Woche 2,5 kg abgenommen. Aber das ist nicht mein Ziel. Ich will ja keinen Rekord aufstellen, sondern ein vernünftiges und gesünderes Leben führen. Diese fiesen (wenn auch nicht dramatischen) Nebenwirkungen will ich dafür aber nicht in Kauf nehmen.
Also habe ich mich dazu entscheiden von den 7,5 mg wieder etwas zurückzugehen und habe mir 6,25 mg gespritzt. Also genau die Mitte zwischen beiden, vom Hersteller vorgegebenen, Dosen.

Damit ging es mir schon deutlich besser. Ohne Nebenwirkungen war ich zwar nicht, aber alle Symptome (Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall und ‚Schwefeln‘) waren deutlich geringer und haben auch nur noch gut 2 Tage angehalten.

Daher habe ich mir heute (ja, schon wieder Samstag – die Zeit fliegt) wieder 6,25 mg gespritzt und bin nun gespannt, wie ich es diesmal vertrage. Die Erfahrungen anderen Benutzer zeigen, dass der Körper sich langsam an die höhere Dosis gewöhnt. Sollte ich es gut vertragen, werde ich eine Zeit lang bei dieser Dosis bleiben und dann irgendwann (wenn nötig) auf 7,5 mg steigern.

Der Klick-Trick-Tipp

Bisher hatte ich pro Pen immer nur ein und dieselbe Dosierung verwendet:

Bei Pen Nr. 1 (2,5 mg Dosierung) habe ich 4x eine ganze Dosis gespritzt und fertig.

Bei Pen Nr. 2 (10 mg Dosierung) habe ich 8x eine halbe Dosis gespritzt und 1x die ‚goldene Dosis‘ benutzt. Auch noch ganz einfach. Nach jedem Spritzen habe ich einen Strich auf die Kappe des Pens gemacht und wusste so immer genau wieviel noch übrig ist.

Aber jetzt habe ich Pen Nr. 3 angefangen (wieder 10 mg Dosierung). Erste Injektion: 7,5 mg, zweite und dritte Injektion: 6,25 mg. Da wird es dann schon schwerer den Überblick zu behalten… Meine Freundin Jule hat mir einen super hilfreichen Tipp gegeben: einfach die gemachten Klicks notieren (siehe auch Klicktabelle)! Das funktioniert dann so: Ein Pen enthält immer 4 ganze Dosen (also 4x die Dosis die drauf steht, in meinem Fall jetzt 4x 10 mg). Eine ganze Dosis sind immer (egal bei welchem Kwikpen) 60 Klicks. Ein Pen enthält also immer 240 Klicks (danach blockiert er). Notiert man sich die injizierten Klicks, weiß man also immer, wieviel man noch im Pen übrig hat.

Zur Verdeutlichung, hier mein konkreter Fall:

  1. Injektion: 7,50 mg = 45 Klicks. 240 – 45 = 195 Klicks übrig.
  2. Injektion: 6,25 mg = 38 Klicks. 195 – 38 = 157 Klicks übrig.
  3. Injektion: 6,25 mg = 38 Klicks. 157 – 38 = 119 Klicks übrig. …

 

Was habe ich also im letzten Monat gelernt? Ich sollte…

  1. die Dosis nicht einfach um 2,5 mg erhöhen (auch wenn der Hersteller das so vorgibt), sondern in kleineren Schritten langsam erhöhen
  2. Klickzähler pro Pen einführen
  3. die Hoffnung begraben, doch noch Profi-Schachspieler zu werden.

Übrigens: die Dosis einfach monatlich zu erhöhen, weil der Hersteller das so vorsieht (in seinem Businessplan vielleicht? 😜) ist völliger Unsinn. Man sollte auf seinen Körper und sein Gefühl hören. Man spürt wann es so weit ist, die Dosis zu erhöhen. Das kann einem niemand anderes vorgeben, denn es hat viel (fast ausschließlich) mit dem eigenen Körper und vor allem dem eigenen Empfinden zu tun. Trust yourself!

 

 

Cheers!

 

Wie immer der Hinweis: ich bin KEIN ARZT und erteile hier auch keine medizinischen Ratschläge. Ich schildere hier nur meine ganz persönlichen Erfahrungen. Wenn Du gesundheitliche Probleme hast, frage bitte deinen Arzt. Ansonsten stehe ich für Fragen, was meine persönlichen Erfahrungen angeht, jederzeit zur Verfügung.

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