Fragen und Mythen zum Ballastabwurf – Teil 1

 

 

 

18. Januar 2026

 

Kann man 5 kg in einer Woche abnehmen?

Heute startet eine kleine Serie mit Fragen, die sich der/die ein oder andere vielleicht schon mal gestellt hat – oder auch nicht. 🤣 Ich jedenfalls habe sie mir gestellt und ein bisschen geforscht, um sie zu beantworten. Vielleicht ist ja auch was Interessantes für Dich dabei. Wenn Du spezielle Fragen hast die Dich interessieren, schreib mir gerne eine E-Mail an Fragen@Lars-Lehnert.de.

 

Jetzt aber zur eigentlichen Frage: Kann man 5 kg in einer Woche abnehmen?

Wäre ich Jurist, würde ich jetzt sagen: „Das kommt drauf an“. Also ein klares Jein! Da ich mich den Naturwissenschaften aber deutlich verbundener fühle als der Juristerei, stelle ich die Frage zunächst einmal etwas präziser: Kann man 5 kg Fett in einer Woche abnehmen?

Um das zu beantworten, müssen wir uns erstmal überlegen, wieso man (ganz grundsätzlich betrachtet) ab- oder zunimmt.
Das ist alles nur eine Frage der Energiebilanz. Auch hier gilt natürlich der Energieerhaltungssatz (eines der, wenn nicht das wichtigste Prinzip aller Naturwissenschaften). In unserem Fall bedeutet das folgendes: wird einem System (unserem Körper) mehr Energie (Nahrung) zugeführt als verbraucht wird, verbleibt die Energie im System. Die Energie verbleibt also in unserem Körper und wird gespeichert bzw. eingelagert (überwiegend in Form von Fett).

 

Um unser Gewicht zu halten, müssen Energiezufuhr und -verbrauch also „einfach nur“ gleich sein. Wenn wir abnehmen wollen, muss die Energiezufuhr kleiner als der Verbrauch sein. Eigentlich ganz einfach, oder?
Wir haben also 2 Möglichkeiten zum Ballastabwurf: entweder die Energiezufuhr reduzieren oder den Verbrauch erhöhen. Was davon einfacher, besser, effektiver etc. ist, klären wir in einem anderen Artikel.

Um unsere Frage zu beantworten, müssen wir also ausrechnen wieviel Energie wir mehr verbrauchen müssen als wir zu uns nehmen, um 5 kg Fett zu „verbrennen“ (zum „Verbrennen“ in einem anderen Artikel mehr).

Erste Überlegung: Wie misst bzw. quantifiziert man Energie?
Man kann Energiemengen in Joule bzw. Kilojoule (kJ) angeben. Damit man etwas mehr damit anfangen kann: 4,2 kJ braucht man um 1 Liter Wasser um 1°C zu erwärmen (etwas vereinfacht).
Damit wären wir auch schon bei einer anderen (veralteten) Maßeinheit, nämlich den Kalorien (da steckt das lateinische Wort für Wärme „calor“ drin). Genau das ist nämlich eine Kilokalorie (kcal). Also 1 kcal = 4,2 kJ.

Zweite Überlegung: Wieviel Energie hat 1 kg „Fett“?
Fett steht hier in Anführungszeichen, da unsere Körperfett sich ungefähr wie folgt zusammensetzt: 80% Fett, 15% Wasser und 5% Proteine. Diese glibberige Masse hat einen Brennwert von ca. 30.000 kJ pro Kilo (also ca. 7.140 kcal).

Damit haben wir die wichtigsten Kennzahlen schon zusammen. Wir müssen also einfach nur 150.000 kJ mehr verbrauchen als wir zu uns nehmen, und schon haben wir 5 kg Fett verloren. Das sind übrigens 35.700 kcal. Also einfach mal 67 Tafeln Schokolade weniger pro Woche essen. Das wird doch machbar sein, oder?

Wie? Du kannst das nicht einsparen, weil Du gar nicht so viel Schokolade pro Woche isst? Hm… Dann müssen wir anders an die Sache ran gehen.

Schauen wir uns mal an, was wir an Energie so verbrauchen:

Natürlich sind das alles nur grobe Werte. Der genaue Energieverbrauch hängt von vielen individuellen Faktoren ab. Aber wir wollen ja rausfinden, ob es physikalisch überhaupt möglich ist, 5 kg Fett in einer Woche zu verlieren.

Um weiter rechnen zu können nehmen wir mal einen mittleren Verbrauch von 10.000 kJ pro Tag an. Um unsere Rechnung dann noch etwas zu vereinfachen, gehen wir von einer absoluten Null-Diät aus. Wir nehmen also keine Energie (Nahrung) zu uns.

Wir „verlieren“ also (wieder stark vereinfacht) 10.000 kJ pro Tag. Anders ausgedrückt, muss unser Körper in 3 Tagen 1 kg Fett verbrennen, um unseren Energiebedarf zu decken. Das macht in einer Woche 2,3 kg. Uff… Da sind wir aber von 5 kg, wie manche Werbung es verspricht, noch weit entfernt.

Selbst wenn wir von einem körperlich extrem schwer arbeitenden Mann ausgehen, der 18.000 kJ am Tag verballert, würde dieser bei einer Null-Diät auf maximal 4,3 kg pro Woche kommen.

Und das ist natürlich ein noch theoretischerer Wert, denn so eine Arbeit kann man ohne Nahrung keine Woche lang verrichten.

Hinzu kommt noch, dass der Körper den Grundumsatz ja reduziert, sobald ein Mangel bei der Zufuhr festgestellt wird (unser evolutionäres Programm!).

Es ist also physikalisch völlig unmöglich 5 kg Fett in einer Woche zu verlieren.

 

Warum habe ich dann die Frage ganz zu Anfang nicht einfach mit „NEIN!“ beantwortet?

Naja, weil sie ja etwas unpräzise formuliert war und nicht nach dem Verlust von 5 kg Fett, sondern ganz allgemein nach dem Verlust von 5 kg gefragt hat.

Es ist schon  möglich 5 kg in einer Woche zu verlieren (ist mir ja bei meiner Nummer mit dem entzündeten Weisheitszahn auch passiert). Allerdings hat ein so großer Gewichtsverlust dann andere Ursachen:

  • leerer Darm
  • Flüssigkeitsverlust
  • Muskelabbau (vereinfacht gesagt werden erstmal Muskeln abgebaut, bevor unser Körper an seine „heiligen Fettreserven“ geht).

Den Flüssigkeitsverlust sollten wir in dem Zusammenhang noch etwas genauer beleuchten:

Wichtig zu wissen ist, dass Kohlenhydrate Wasser binden.
1 g Kohlenhydrate binden ca. 3-4 g Wasser.

Verzichtet man gänzlich auf Kohlenhydrate und leert damit den gesamten Kohlenhydrat-Speicher des Körpers, verliert man also sehr schnell viel Gewicht. Geht man von einer Speicherkapazität von 500 g aus, verliert man also bei der „Leerung“ insgesamt 2 kg (500 g Kohlenhydrate + 1500 g Wasser).
Viele Low-Carb-Diäten nutzen diesen großen Anfangserfolg als kleinen Taschenspielertrick und er erklärt wohl zum Teil auch die große Beliebtheit dieser Diäten.

Halten wir abschließend fest: ja, es ist möglich 5 kg in einer Woche zu „verlieren“, 5 kg Fett in einer Woche abzubauen ist aber vollkommen unmöglich – außer man saugt das Fett ab oder entfernt es chirurgisch. 😂

 

 

Cheers!

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